Die Soldaten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs Deutschland von der nationalsozialistischen Herrschaft befreiten, brachten für viele Frauen neues Leid. Zahllose Mädchen und Frauen (und auch etliche Männer) wurden Opfer sexueller Gewalt, überall im Land. Denn entgegen der weit verbreiteten Vorstellung wurden nicht nur "die Russen" zu Tätern, sondern auch Amerikaner, Franzosen und Briten. Auf Basis vieler neuer Quellen umreißt Miriam Gebhardt erstmals historisch fundiert das Ausmaß der Gewalt bei Kriegsende und in der Besatzungszeit. Zugleich beschreibt sie eindrücklich, wie die vergewaltigten Frauen in späteren Jahren immer wieder zu Opfern wurden: von Ärzten, die Abtreibungen willkürlich befürworteten oder ablehnten, von Sozialfürsorgern, die Schwangere in Heime steckten, von Juristen, die Entschädigungen verweigerten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2015
Klaus-Dietmar Henke führt das Buch von Miriam Gebhardt immerhin eines vor Augen: Eine seriöse Forschung auf dem Gebiet der massenhaften sexuellen Gewalt gegen Frauen ist höchst notwendig. Dies allerdings erfährt der Rezensent bei Gebhardt ex negativo, denn die methodische Sorglosigkeit der Autorin findet er frappierend, ebenso das gedankliche Durcheinander im Text, der Hang zur Nivellierung sowjetischer, amerikanischer, britischer und französischer Gewalttaten um 1945 (beinahe wie bei Goebbels, meint Henke), die Fehler und die Vereinfachungen und nicht zuletzt die selbstbewusste, mitunter diffamierende Tonlage. Willkommen, wie gesagt, scheint ihm das Buch dennoch, nur müsste es viel genauer argumentieren, meint er.
Heide Oestreich hält die Zeit reif für dieses Buch der Historikerin Miriam Gebhardt, nun, da die Gleichzeitigkeit von Täter- und Opferschaft denkbar ist. Wenn die Autorin neue Quellen aus den Westzonen auswertet und das Bild der Vergewaltigungen durch die Besatzungsarmeen nach dem Zweiten Weltkrieg neu zeichnet, verfolgt sie damit laut Rezensentin zweierlei Ziele: die Rehabilitation der Opfer und die Stärkung der Empathiekompetenz der Öffentlichkeit. Darüber hinaus untersucht die Autorin die psychischen und materiellen Nachwirkungen dieser Verbrechen, meint Oestreich, und schreibt gegen ihre Bagatellisierung an.
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