Miodrag Pavlovic

Die Bucht der Aphrodite

Roman
Cover: Die Bucht der Aphrodite
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518414767
Gebunden, 280 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Peter Urban. Nach dem Gedichtband "Einzug in Cremona" legt Miodrag Pavlovic eine poetische Autobiographie sui generis vor: Bildungsroman, phantastische Reise, Poetik des eigenen Werks und die Erzählung eines Lebens im Jugoslawien des 20. Jahrhunderts. "Was ich mir erträume, das geschieht mir auch" ist das Leitmotiv dieses Meisterwerks, in dem ein sich wandelndes Ich Epochen und Kulturen durchstreift auf der Suche nach dem Menschlichen, das in der Überlagerung verschiedener Zeitschichten sichtbar wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.03.2004

Mit dieser "burlesken" Erzählung, die in kurzen Absätzen eine recht wahllos anmutende mythologische Gesellschaft - von Gulliver bis Nietzsche - zur Weltuntergangsfeier herbeizitiert, strebt der serbokroatische Schriftsteller Midorac Pavlovic eigenem Bekunden zufolge eine "therapeutische Aufhebung der Geschichte", namentlich der Katastrophe des Nato-Bombardements Restjugoslawiens, an, berichtet Jörg Plath. Doch diese Aufhebung scheitert, folgt man dem Rezensenten, gleich in doppelter Hinsicht: Zum einen und beabsichtigter Weise halte das Bombardement im dritten und letzten Teil des Buches als "'Hexenreigen', in dem 'stählerne Giftpfeile' abgeworfen werden", doch Einzug in den Roman - die Geschichte habe sich "nur wiederholt", konstatiere der Autor; zum anderen aber gelinge Pavlovic keine humanistische Bewältigung der "Umbruchserfahrungen". Vielmehr empfand der Rezensent Pavlovic' apokalyptische Szenen als "hilf- und kraftloses", "mythologisches Erbsenzählen" - die Flucht in den Mythos misslingt, vermerkt unser Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2004

Den drei Prosatexte des serbischen Lyrikers Miodrag Pavlovic versammelnden Band "Die Bucht der Aphrodite" empfindet Rezensent Karl-Markus Gauß als "konfus" und "keiner Struktur folgend". So gerät, klagt er, der erste Teil, in dem der Erzähler Freund und Feind zu einer apokalyptischen Millenniumsfeier lädt, zu einer von nahezu beliebigen Assoziationen getragenen "Privatmythologie, die sich dem Verstehen hermetisch verschließt". Hier wie in den anderen beiden Teilen, so Gauß, scheint Pavlovic der Versuchung zu erliegen, "mit seiner einschüchternden Bildung zu prunken", indem er zwischen Wissensgebieten und Epochen hin- und herspringt, ohne dass die Assoziationen zwingend sind. Vielmehr entsteht für den Rezensenten der Eindruck, als nutze Pavlovic seine Assoziationskraft, um angesprochene Themen "rasch wieder zu verlassen" und "vor jenen Fragen zu flüchten", die er sich selbst stellt. Zwar gelingen dem Autor bisweilen "betörend schöne Beschreibungen" und "verstörende Anekdoten", gesteht Gauß zu, doch diese fügen sich nicht zueinander und bleiben dadurch vereinzelt und beliebig. Auch die Kürzungen, um jene Passagen "voller kryptischer Hinweise auf die slawische Geschichte", die der Übersetzer Peter Urban vorgenommen hat, vermögen daran nichts zu ändern, so Gauß.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003

Durchaus beeindruckt gibt sich Burkhard Müller von Miodrag Pavlovics Roman. Der sei "leicht erzählt, anekdotisch, mit einem erheblichen Maß an Kenntnissen und Charme". Die offene Form der Erzählung bedeute dabei seine größte Stärke und auch Schwäche. Wie Pavlovic "zwischen Tür und Angel" Gedanken fallen lässt, um dann mit der Geschichte fortzufahren, imponiert dem Rezensenten. "Das ist wahre intellektuelle Großmut." Andererseits bietet der spontane, beiläufige, dem Gespräch entlehnte Stil aber auch Raum für "ungezählte preziöse Banalitäten", die Müller "verspielt" und "egozentrisch" vorkommen. Grundsätzlich ist er aber froh, dass aus der Ohnmacht der Kosovokriege und der damit verbundenen Bombardements Belgrads kein serbischer Selbstmordattentäter hervorgegangen ist, sondern ein "elegischer Ironiker", der die gesamte Geschichte seiner Nation aufbiete, um sein Land an Europa zu knüpfen und mit diesem großen Aufgebot an Sagen und Mythen unserem Rezensenten doch nur beweist, wie wenig Serbien im Augenblick dazugehört.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

Die Definition stammt vom Autor selbst: Als "Schreiben unter begleitendem Imaginieren" hat der serbokroatische Schriftsteller Miodrag Pavlovic seine Vorgehensweise an anderer Stelle bezeichnet. Nichts wäre treffender für das neue Buch als diese Formulierung, freut sich Dieter Hildebrandt, der den Untertitel Roman als irreführend bezeichnet. Beim "Buch der Aphrodite" handelt es sich eher um eine "rhapsodische Autobiografie", behauptet Hildebrandt, ein Erinnerungsbuch, das dem eigenen Leben ebenso wie den Mythen des Alten Europas nachspürt. Der erste Teil des Buches widmet sich dem Plan, zur Jahrtausendfeier alle ehemaligen Freunde, Feinde, Verwandte, Verstorbene an einem Ort in Belgrad zu versammeln, berichtet Hildebrandt, eine Totenfeier, ein Memorial, das für ihn "zwischen Apokalyptik und Anekdote" schwankt und deshalb für Außenstehende schwer zugänglich sei. Erst im zweiten Teil des Buches evoziert der polyglotte Pavlovic antike Mythen, denen das Buch auch seinen Titel verdankt und die Pavlovic in einem Teppich weiterverarbeitet, an dem Generationen vorher schon mitgewirkt haben. Das Wunderbare dieses Buches sei, schwärmt Hildebrandt und greift die Teppich-Metapher Pavlovic' auf, dass es sich dabei nicht um einen Flickenteppich handele, sondern um einen Teppich, der fliegen könne.
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