Milena Michiko Flasar

Herr Kato spielt Familie

Roman
Cover: Herr Kato spielt Familie
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783803132925
Gebunden, 176 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Die Tage dehnen sich, und zugleich schnurrt die Zeit zusammen. Die Uhr läuft ab, dabei könnte es gerade erst losgehen. Ob ein kleiner weißer Spitz daran etwas ändern würde? Den ehemaligen Kollegen hat er immer beneidet. Um den Ruhestand, das Motorrad und die neue Freiheit. Doch jetzt steht er selbst frisch verrentet auf den bemoosten Treppen vor seinem Haus und weiß nicht wohin. Eine Krawatte braucht er nicht mehr, zu Hause ist er im Weg, die Kinder sind längst ausgezogen. Ob die junge Frau, die er jüngst auf dem Friedhof getroffen hat, ihm nur etwas vormacht, vermag er nicht zu sagen. Er ist aus der Übung. Und dennoch nimmt er ihren Vorschlag an, lässt sich von ihrer Agentur "Happy family" mal als Opa, mal als Exmann, dann wieder als Vorgesetzter engagieren und trifft auf fremde Menschen und Schicksale. Er spielt seine Rollen gut, und seine Frau bekommt von alledem nichts mit. Sie hat wieder angefangen zu tanzen … Ein Buch über Erinnerungen und unerfüllte Träume, über Glücksmomente und Wendepunkte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2018

Die japanische Version von Loriots "Pappa ante Portas" hat Rezensentin Katharina Teutsch mit dem dritten Roman von Milena Michiko Flasar gelesen. Aber die Geschichte um Herrn Kato, der mit seinem Leben und seiner Ehe mit Eintritt ins Rentenalter nichts anzufangen weiß, bis er von einer Agentur gebucht wird, die Mietopas, Mietväter und Mietgatten vermittelt, geht tiefer, verspricht die Kritikerin: Wenn sie liest, wie sich der alte Mann seiner Gefühle und grundlegenden Existenzfragen erst als Stellvertreter in fremden Leben bewusst wird, erscheint ihr der Roman wie eine "Problemskizze des modernen Zeitgeistes."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.05.2018

Einen großen Liebesroman und eine wunderbare Übersetzungsleistung sieht Frederic Jage-Bowler in diesem Roman der österreichisch-japanischen Autorin Milena Michiko Flasar. Sie erzählt darin von dem im Alter etwas einsam gewordenen Herr Kato, der von einer jungen Schauspielerin auf eine neue Idee gebracht wird: Familie spielen. Sie übernehme Rollen als Schwester, Tochter oder Tante, da könne er doch den Großvater übernehmen? Der Witz an dieser Geschichte besteht für den Kritiker nicht nur darin, dass dieses Geschäftsmodell in Japan tatsächlich existiert, sondern dass Flasar dem auch Gutes abgewinnen kann. Der westlichen Kultur der brachialen Aufrichtigkeit etwas feinsinnige Verstellung entgegenzusetzen, um den "kalten Krieg der Seelen" zu mildern, das hat was, findet er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.04.2018

Auch Milena Michiko Flasars neuer Roman ist eine ihrer kleinen, "ungewöhnlichen Geschichten", in denen Menschen aus ihren eingelebten Alltags-Korsetts heraussteigen und für eine Weile ein ganz anderes, ein aufregendes Leben führen, erklärt Rezensentin Dorothee Wahl. Dieses ungleich spektakulärere Leben begegnet Herr Kato auf einem seiner täglichen Spaziergänge in Person einer jungen Frau, die den Pensionär in ihre Agentur aufnimmt. Diese Agentur, lesen wir, ist dazu da "Familie zu spielen", etwa für eine totkranke Braut und ihren Bräutigam - eine der anrührendsten Szenen im Buch, findet Wahl. Von denen gibt es einige. Sie machen dieses Buch lesenswert und zwar trotz seiner ab und an allzu deutlich hervortretenden Tendenz zur rüschigen Sentimentalität, resümiert die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.04.2018

Rezensent Christoph Schröder liest mit "Herr Kato spielt Familie" den Roman zum jüngst in der Psychologie entdeckten "Retired Husband Syndrome", denn der Protagonist ist für ihn ein Mustertypus dieses Krankheitsbildes: Weil er sich sein Leben lang hauptsächlich auf seinen Beruf konzentriert hat, erweist sich Herr Kato nach seinem Rentenantritt als sozial inkompetent. In wohlwollendem Ton , so Schröder, schildert Flasar, wie der Rentner beginnt, als Stand-In zu arbeiten und dabei den Ehemann, Großvater oder Chef für Fremde zu geben. So lerne er langsam, wieder auf andere einzugehen. Dass die Autorin dabei die Grenze zwischen Fiktion und Wahrheit ausloten will, betont sie für Schröder fast schon zu deutlich. Trotz der Leichtfüßigkeit, mit der die Geschichte erzählt wird, zeigt "Herr Kato spielt Familie" vor allem mit seinem traurigen Ende die Tragik eines sinnentleerten Daseins im Alter, schreibt Schröder, den das Buch doch ergriffen hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2018

Der Protagonist in Milena Michiko Flašars Roman "Herr Kato spielt Familie" ist ein vom Leben enttäuschter japanischer Rentner, erzählt Rezensent Paul Jandl. Der alte Herr wird unversehens von einer Stand-In-Agentur engagiert, für die er fremden Menschen den Großvater, Ehemann oder Hochzeitsgast vorspielt. Dass Herr Kato plötzlich Empathie aufbringen muss, um in seinen Rollen zu überzeugen, hilft ihm, auch seine eigene Ehe wiederzubeleben, so Jandl. Doch vorher macht er einiges mit als Stellvertreter. Jandl lobt die "pulsierende Energie" mit der Flasar ihre Figuren beschreibt. Das ist oft sehr traurig, gibt Jandl zu, aber treffend beschrieben. Ihm hat die Geschichte um Herrn Kato jedenfalls ans Herz gegriffen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2018

Milena Michiko Flašars neuer Roman "Herr Katō spielt Familie" hat den Rezensenten Markus Clauer in eine "Lebensabendwelt" mitgenommen, die von Rentnern in den typischen "letzten Sinnkrisen" bevölkert wird. Während der Protagonist noch damit hadert, was er alles im Verlauf seines Lebens doch nicht getan hat, und seiner Frau damit gehörig auf die Nerven geht, wird er unversehens von der Agentur Happy Family als Mietopa engagiert, was seinen Blick auf sein eigenes Leben nachhaltig verändert, so Clauer. Von diesem Perspektivwechsel erzählt die Autorin zugleich wohlwollend und ironisch, freut sich der Rezensent. Auch wenn er eine gewisse Kitschgefahr erkennt, fühlt sich Clauer nach der Lektüre "diskret entwaffnet".
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