Eine schonungslose Sicht auf den 'Innenraum der Berge, in die Seelen der Tiere'. Blicke auf die 'Vor Augen liegende Schönheit, aber auch auf die Vergangenheit der Landschaft'. Von Gewittern im Steilhang und vom politische Stillschweigen. Dabei spielt in österreichischer Tradition die Sprachreflexion eine zentrale Rolle, die Suche nach einer eigenen Sprache inmitten von 'tödlichen Redensarten'. Hans Aschenwald schreibt über das Leben auf dem Land, 'ein ganzes Dorf voll Vorfahren im Genick', über den Vater, die Schneehühner, die Einsamkeit auf dem Kar, über Pilze, Schnaps, Bachforellen, Steine, Bäume, nackte Körper auf dem Moos. Und hier und da schimmert ein unerwarteter Hurmor durch den alpinen Hochwald.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.11.2003
Kein gutes Haar lässt Nico Bleutge an diesem - dritten - Gedichtband des Österreichers Hans Aschenwald. "Ausgelutschtes Schweigen" lautet sein ungnädiges Urteil. Schon die Überschriften hätten ihn warnen sollen, schreibt Bleutge. Wer nenne denn heute seine Gedichte noch "Wahre Liebe" oder "Schöpfung", höhnt er. Dafür müsse man entweder ein sehr ironisch gestimmter Mensch sein oder seine Stimmen und Stimmungen gut zu schichten wissen. Weder das eine noch das andere sei bei Aschenwald der Fall. Zugegeben, im Mittelteil gebe es einige schöne Erinnerungsstücke, die vielleicht "ein kleiner lyrischer Kroetz" hätten werden können. Doch statt nach eigenem Ausdruck zu suchen, tränke der Dichter seine Verse in Pathos und überführe sie in kulturkritisches Geraune, so dass Bleutge böse von "Gefühlsformeln" redet, die noch das letzte Murmeltier in ihre Höhle zurückjagen würden: viel Seele, viel Herz, sehr viel Sehnsucht - zuviel. Darüber hinaus kann Bleutge keine wirklichen Verse, sondern nur ins Versformat zerhäckselte Sätze ausmachen, die hochkonventionell seien und dem Rezensenten den Eindruck vermitteln, in einer Gedichtanthologie der 50er Jahre zu blättern.
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