Michel Mettler

Die Spange

Roman
Cover: Die Spange
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518417553
Gebunden, 351 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Im Mund des noch jungen Musikers Anton Windl werden Überreste einer prähistorischen Anlage entdeckt. Dr. Berg, sein Vertrauensarzt, nimmt sich des Fundes an. Auf Dauer in der Praxis untergebracht, wird Anton zum begehrten Objekt der Forschung und brilliert als vielseitig einsetzbarer Patient. Doch über aller Entdeckungsfreude liegt der Schatten seiner Unfähigkeit, von sich selbst zu erzählen. Was ist sein wahres Alter, welches seine Herkunft und Vorgeschichte? Mit mannigfachen Methoden versucht Dr. Berg, der Erzählschwäche seines Schützlings Herr zu werden. Die Praxis wird zum Schauplatz breit angelegter Studien. Als weltweit einzigartiger Proband überlebt Anton selbst die riskantesten Experimente, bis sein Arzt mit einer mysteriösen Erfindung den Suchprozess in neue Bahnen lenkt. Nun schweift die Erzähllust des Patienten in unerahnte Weiten aus, er unternimmt Streifzüge durch die Geschichte und Mythologie und zeichnet das Bild einer Existenz, die wild zwischen Begnadung und Schwachsinn, planetarer und mikrobischer Größe hin und her springt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2006

"Missglückt auf hohem Niveau", so lautet das Urteil, das Rezensentin Maike Albath beinahe bedauernd über den neuen Roman von Michel Mettler fällt. Der Autor führt seine Leser tatsächlich in eine menschliche Mundhöhle, in der eine antike Zahnspange entdeckt wird. Man begleitet den armen Mundhöhlenbesitzer auf seinen Reisen durch Arztpraxen und stolpert dabei über allerlei "schräge Angelegenheiten", meint die Rezensentin. Dass Mettler eine absurde Geschichte geschrieben hat, stört sie nicht, dass er aber jede skurrile Idee "hysterisch durch eine weitere Erfindung übertrumpft", lege den "Motor des Romans" langsam aber sicher lahm und "der Sog der Sprache nutzt sich ab." Schade findet die Rezensentin, dass dadurch "viele witzige und kluge Einfälle untergehen", die man durchaus als Gesellschaftskritik interpretieren könnte. Da nützen auch Sprache und Erzählstil Mettlers nichts mehr, da hilft es nichts, dass der Autor "ganz unterschiedliche Register zum Schwingen bringt" und sein Text wie eine "musikalische Komposition daherkommt". Die Kritikerin ist und bleibt enttäuscht und kommt zum Schluss: "Die besten Zähne nützen nichts, wenn etwas mit der Mundflora nicht stimmt."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2006

Was der im vergangenen Jahr verstorbene Lyriker Thomas Kling poetisch sondiert habe, nämlich die Erkundung und "Semantik des Mundraums", lote nun, auf epischem Terrain, der 1966 geborene Schweizer Michael Mettler aus, wie Rezensent Roman Bucheli erfreut vermerkt. Hierbei verlasse der Autor allerdings schnell den anatomisch eng gesteckten Rahmen des Mundes und weite sein Feld auf eine "Archäologie des Gaumens" aus, die zu einer "Forschungsreise in den Intimbereich der Sprachbildung" gerate. Bei dem Protagonisten Anton Windl werde eine prähistorische Anlage im Zahnraum festgestellt, was den Musikstudenten zu einem begehrten Forschungsobjekt seines Dentisten werden lässt. Der Roman sei nicht nur eine Parodie auf den Machbarkeitswahn von Wissenschaft und Spezialistentum, sondern entfalte als "Chiffre für ein poetisches Prinzip gewaltige Resonanzen", die, in ihrer Verkettung auf die kurze Formel "Ohne Mundstück kein Zahnglück" gebracht, den inneren Zusammenhalt garantieren, informiert der Rezensent. Das Werk ist laut Bucheli unbedingt von vorne nach hinten zu lesen und dann noch mal "von allen Seiten zu begehen".
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