3 Bände in Kassette. Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Die Kassette "Gesammelte Gedichte" versammelt zum ersten Mal alle veröffentlichten Gedichte Michel Houellebecqs in deutscher Übersetzung. Michel Houellebecqs Lyrik ist gezeichnet vom Schrecken über die Wiederholungen des Lebens, nah an der Gegenwart geschrieben und dem Moment zugewandt: Gedichte wie Songtexte. Sie folgen einer Ästhetik des Augenblicks und lassen sich als ein einziges großes Parlando lesen: autobiografisch, bekenntnishaft und unangestrengt getragen von den Themen des Michel Houellebecq, vom Leiden des Einzelnen an unserer Gesellschaft. Zwischen der ernüchternden Erfahrung des täglichen Erwachens und den durchschaubaren Sehnsüchten der Nacht erkennen sie die unaufhaltsame Annäherung an ein Ende.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.05.2006
Auf eine anregende Art "schamlos" sind die gesammelten Gedichte Michel Houellebecqs für Burkhard Müller. Zum Einen, weil der Dichter unverblümt Topoi wie etwa Engel aufgreift, die für jeden anderen Kollegen den "Selbstzerstörungsknopf" bedeuteten. Zum Anderen, weil Houellebecq seine Klage über den Zustand der Welt nicht stilistisch verschönt, sondern den "Ton der Wehleidigkeit als Ton der Wahrheit" begreift und konsequent verwendet. Burkhard Müller kann nicht anders als Houellebecq hier zuzustimmen. Die Gedichte kommen ihm wie Kinderbilder vor, die ihre Botschaft "höchst anschaulich" vermitteln, sich aber für Formales nicht interessieren. "Diese Lyrik sprudelt wesenhaft", meint Müller, der in der Missachtung der Form sogar eine notwendige Voraussetzung für die eindrückliche Wirkung sieht. Das Ergebnis sind "richtige Gedichte", zumindest bisweilen. Dass der Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel sich auf die Inhaltswiedergabe beschränkt und keine Nachdichtung vorgenommen hat, lobt der Rezensent schließlich als die richtige Entscheidung.
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