Michail Ryklin

Buch über Anna

Cover: Buch über Anna
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518424346
Gebunden, 334 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Am Karfreitag 2008 verließ Anna Altschuk ihre Charlottenburger Wohnung. Drei Wochen später wurde sie tot aus der Spree geborgen. Bis heute glauben viele Menschen in Russland, dass die Künstlerin von orthodoxen Fanatikern umgebracht wurde. Wenige Jahre zuvor stand sie in Moskau wegen Verletzung religiöser Gefühle vor Gericht und war einer Hetzkampagne ausgesetzt. Wochen vor ihrem Tod hatte sie Morddrohungen im Internet gefunden. Der Philosoph Michail Ryklin versucht, Leben und Sterben Anna Altschuks, mit der er fast 35 Jahre verheiratet war, bis zu dem Tag ihres Verschwindens nachzuzeichnen. Die Spätzeit der Sowjetunion, die turbulenten 90er Jahre, die das Paar nach Frankreich, in die USA, nach Großbritannien und Deutschland führte, und die mit dem Machtantritt Putins beginnende "Eiszeit" bilden den zeithistorischen Hintergrund des Buches.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2014

In seinem "Buch über Anna" hat der russische Philosoph Michail Ryklin sich mit dem Tod seiner Frau, der Künstlerin und Lyrikerin Anna Altschuk, auseinander gesetzt, berichtet Ilma Rakusa. Es ist ein "schmerzlich gewissenhaftes und zutiefst wahrheitssuchendes Buch" geworden, verrät die Rezensentin. Altschuks Leichnam wurde 2008 aus der Spree geborgen, unklar war zunächst, ob es sich um Selbstmord handelte, denn Altschuk hatte sich schon mehrfach mit dem russischen Regime überworfen, weiß Rakusa. Ryklin hat in ihren persönlichen Aufzeichnungen und ihren Gedichten nach einer Antwort auf diese Frage gesucht, und er scheint sie für sich gefunden zu haben, verrät die Rezensentin: seine Frau wählte den Freitod, die Hetzkampagnen gegen sie in der Heimat hatten sie zermürbt, aber einem gewissen Punkt verhieß der Tod Erlösung, so Rakusa.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2014

Der russische Philosoph Michail Ryklin hat in seinem "Buch über Anna" den Weg beschrieben, der ihn letztlich doch an den Freitod seiner Frau Anna Altschuk glauben ließ, berichtet Regina Mönch. Die Künstlerin und "Dissidentin wider Willen" in Putins Russland war im April 2008 in der Berliner Mühlendamm-Schleuse gefunden worden, ihre Kritik am Kreml hatte damals Zweifel an ihrem Selbstmord geweckt, weiß die Rezensentin. Ryklin analysiert und ermittelt, liest die erhalten gebliebenen Tagebücher seiner Frau, sucht nach den Spuren der Depression, die er nicht bemerkt hatte, erklärt Mönch. Was er findet: Zeugnisse eines Gefühls der Entwurzelung, der Vertreibung aus ihrem Sprach-, Arbeits- und Freundeskreis, die in Altschuk die Angst davor weckten, "bloß die Ehefrau" zu sein und in den Schatten ihres Mannes zu treten, fasst die Rezensentin zusammen, die dieses Requiem tief berührt hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.04.2014

Tief berührt und verstört lässt diese Lektüre die Rezensentin Barbara Oertel zurück. Das Buch scheint ihr viel mehr als eine Biografie über die Dichterin Anna Altschuk von ihrem Mann Michail Ryklin zu sein, mehr auch als intime Trauerarbeit, die die Rezensentin desöfteren beim Lesen zur Voyeurin werden lässt. Wenn sich der Autor dem Leben und Sterben seiner langjährigen Lebensgefährtin nähert, ihrem Geheimnis nachspürt, einer von ihr bewohnten Parallelwelt, entsteht für Oertel das Panorama neuerer russischer Geschichte mit all ihren politischen Umbrüchen.
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