Michail Bulgakow

Das hündische Herz

Cover: Das hündische Herz
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2013
ISBN 9783869710693
Gebunden, 176 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Neu übersetzt und kommentiert von Alexander Nitzberg. Michail Bulgakows Novelle "Das hündische Herz" entstand schon 1925, aber sie konnte erst 1968 gedruckt werden - und auch damals nicht in Bulgakows Heimatland, sondern in einer russischen Exilzeitschrift in Deutschland. Warum? Ein genialer Chirurg nimmt einen Straßenköter bei sich zu Hause auf und schafft aus ihm den "neuen Menschen" - er pflanzt ihm Hirnanhangsdrüse und Hoden eines schmierigen Kleinkriminellen ein. Der zum kommunistischen Genossen mutierte Tiermensch erweist sich aber bald nicht nur als echter Widerling: gewissen- und verantwortungslos wie er ist, wird er zur Gefahr für alle. Er bleibt Tier, freilich in Menschengestalt, und erst die gewaltsame Rückoperation kann die Gesellschaft retten. Bis heute wird der vielschichtige Meistertext als Parabel auf russische Verhältnisse gelesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2013

Das Ansinnen des Übersetzers Alexander Nitzberg, Bulgakows Text von seiner Politisierung zu befreien und in ihm außer dem satirischen Element eine weitere Ebene sichtbar zu machen, die des Sprachkunstwerks, gelingt. Laut Wolfgang Schneider sogar so gut, dass der erstmals nach der Fassung letzter Hand übertragene Text ganz neu und gegenwärtig erstrahlt in seiner originalen wie originellen dynamisch grellen, verspielten und polyphonen Beschreibungskunst. Frech und fröhlich ist schon die Handlung um die Menschwerdung des Hundes Lumpi, stellt Schneider fest, der in der Erzählung Momente einer Wissenschaftsburleske, einer Parodie auf Neumensch-Ideen und einer Farce auf den Fortschrittsglauben entdeckt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.07.2013

Jens Bisky gibt dem Untertitel recht, Michail Bulgakows "Das hündische Herz" ist wirklich eine fürchterliche Geschichte. Ein großes Lob spricht der Rezensent dem Übersetzer Alexander Nitzberg aus, dem es, wie schon mit "Meister und Margarita", gelungen sei, "Bulgakows Werk der Bulgakow-Legende zu entziehen" und eine so reiche Prosa zu schaffen, dass sie danach verlangt, laut gelesen zu werden. Der Professor Filipp Filippowitsch Preobraschenski lockt mit einer Wurst, 'Krakauer spezial', einen Straßenköter in seine Wohnung, verfrachtet ihn auf den OP-Tisch und transplantiert ihm ein paar menschliche Hoden und ein Stück Gehirn. Kurze Zeit später fängt der Hund an zu sprechen und entpuppt sich als echter Halunke, fasst Bisky zusammen. Träume über die Verwandlung des Menschen teilen sich Christentum, Bolschewismus, Eugenik und andere, es wäre also zu schlicht, wollte man das Buch nur als Kritik am Sowjetsystem lesen, erklärt der Rezensent. In seinem Nachwort bietet Nitzberg aber eine Fülle von Interpretationen, bisweilen "Spielereien der Überinterpretation" an, die Bisky direkt Lust gemacht haben, das Buch noch einmal zu lesen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2013

Neu, ganz neu liest Jörg Plath Michail Bulgakows Roman in der Übersetzung von Alexander Nitzberg. Bulgakows Sarkasmus und Ironie, Rhythmus und Assonanz funkeln laut Plath nun stärker denn je. Die irrwitzige Geschichte vom Hund Lumpi mit den menschlichen Organen eines Kleinkriminellen, für Plath eine Satire auf das vorrevolutionäre Russland, hier erstmals übertragen nach dem Originalmanuskript und mit instruktivem Nachwort und Anmerkungen versehen von Nitzberg, besticht für den Rezensenten zuallererst durch die vergnügliche Polyfonie der Redeweisen. Polit- und Proletarierjargon, Werbung, Abkürzungen, Notizen, all das, so Plath, lesen wir nun lustvoll ins Deutsche gezaubert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.06.2013

Ziemlich ausschweifend bespricht die Schriftstellerin Kathrin Schmidt den in einer Neuübersetzung von Alexander Nitzberg erschienenen Roman "Das hündische Herz" von Michail Bulgakow: der Lebensweg des Autors, der Entstehungskontext und die Publikationsgeschichte des Romans sowie die früheren Übertragungen ins Deutsche durch Gisela Drohla und Thomas Reschke werden von der Rezensentin erläutert. Sie weist darauf hin, dass sich die Rezeption bislang übermäßig auf den vermeintlich kommunismuskritischen Gestus der Geschichte um einen zum Menschen und wieder zurück operierten Straßenhund konzentrierte. Die von ihr hochgelobte Übersetzung Nitzberg arbeitet nun endlich auch den erheblichen sprachlichen Reiz von Bulgakows Prosa heraus.