Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2000
Kenntnisreich entfaltet Rezensentin Silvia Henke Wetzels "groß angelegte Studie" zum Phantasma der Kindsbraut, das er in seinen mythischen wie literarischen Ausgestaltungen von den Nymphen der Antike bis zu den Models von heute verfolgt. Die Kindsbraut, zwischen Kind und Frau, zwischen Mädchen und Knabe changierend, begreift er als Männerphantasie, "die um die Reife, Kindheit und Geschlechterdifferenz kreist und dabei die wirkliche Frau, unter Umständen, verfehlt". Kernstück von Wetzels Studie ist Mignon aus Geothes "Wilhelm Meister", die er als Archetypus ihrer Spezies begreift. Was Wetzels Arbeit interessant macht, schreibt Henke, ist die "Verbindung von Poesie und Pathologie". Es ist überhaupt ein Verdienst dieser Arbeit, "Problemfelder eher zu öffnen als zu schließen", resümiert die Rezensentin, die in ihrer Besprechung ähnlich verfährt.
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