Nibelungenlied und Klage spiegeln im Schutz der "alten maeren" historische "warheit": die Ehre des Reichs, zerstört durch die Kreuzzüge. Dieter und Jürgen Breuer würdigen das Nibelungenlied unter den politisch-historischen Voraussetzungen seiner Entstehungszeit um 1200 gegen die vorherrschende Meinung des Fachs. Sie sehen im Dichter des Nibelungenlieds den kritischen Beobachter, der den bekannten Sagenstoff in einer Weise neu erzählt, die diesen transparent für die Bewertung der verstörenden politischen Vorgänge seiner Gegenwart macht: das katastrophale Scheitern des hochmütigen Ausgriffs der Staufer nach der Weltherrschaft als Folge der Kreuzzüge. Am Ende steht einmal mehr die Frage, wem ein solches politisch motiviertes Epos wie das Nibelungenlied zuzutrauen ist. Die beiden Autoren plädieren mit guten Gründen für den Epiker und Politiker Bligger von Steinach, der dem Gefolge des Stauferkaisers Heinrich VI. angehörte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2015
Nur auf den ersten Blick ist Dieter und Jürgen Breuers Buch "Mit warheit oder nach sage" ein Befreiungsschlag in der Nibelungen-Forschung, warnt Wolfgang Krischke, der noch einmal die textkritischen Schwierigkeiten in Erinnerung ruft, bevor er die These der Breuers, wonach das ganze Lied eine politische Allegorie bildet, die ihre Entsprechung in dem Machtgefüge zwischen Staufen und Normannen findet, infrage stellt. Es gebe nirgendwo im Buch mehr als schwache Indizien, eine "Kette von spekulativen Analogisierungen, Assoziationen und Zirkelschlüssen", deren Ziel von vorneherein feststehe, erklärt der Rezensent. Die Autoren praktizieren gewissermaßen Hermeneutik nach dem Vorbild von Verschwörungstheorien, schließt Krischke.
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