Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2001
Ziemlich spannend findet der Rezensent Stephan Rixen, wie Michael Stolleis in seinen Büchern "das öffentliche Recht als Chiffre für Sozial-, Wirtschafts- und Politikgeschichte entdeckt und entfaltet". Da mache auch sein neues Werk keine Ausnahme, bei dem es um das 19. Jahrhundert, das in der Lesart des Autoren von der Französischen Revolution bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs währte. In dieser Zeit wurden nach Stolleis' Meinung viele Grundlagen des heutigen Staatswesens geschaffen, für "den sogenannten Interventionsstaat der Industriegesellschaft und seine Aporien". Der Rezensent zitiert hier beispielsweise die in den 1880er Jahren entstandene Sozialgesetzgebung als ein Beispiel "für die Wirkkraft des Korporatismus, der die Wirtschafts- und Sozialordnung in Deutschland bis heute prägt". Stolleis schafft nach Rixens Meinung ein "lebendiges Bild" dieser Zeit, deren positive und negative Errungenschaften bis in unsere Zeit fortwirkten. So gewinnt der Rezensent die beunruhigende Einsicht, dass der Staat damals gelernt hat, "seinen freiheitsgefährdenden Charakter hinter sozialer Wohltätigkeit zu verbergen", ein Problem, dessen grundsätzliche Dialektik die Gesellschaft bis heute noch nicht bewältigt habe.
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