16 Fototafeln. Schulfreunde kannten ihn als hilfsbereit, Parteispezis lernten ihn fürchten, Strauß setzte ihn als Mann fürs Grobe ein. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber gilt als machtbewusst, eisern und fleißig. Anekdoten oder schlagfertige Zwischenrufe, wie sie sein politischer Ziehvater im Minutentakt absondern konnte, sind seine Sache nicht, die CSU aber hat er heute genauso fest im Griff wie sein Lehrmeister.
Für den CSU-Spezialisten und ambitionierten Kritiker der Amigo-Partei Michael Stiller hat Rezensent Lukas Wallraff jede Menge Sympathie übrig. Auch Stillers Anliegen, mit seinem Buch "Edmund Stoiber. Der Kandidat" seinen Teil dazu beizutragen, Stoiber als Bundeskanzler zu verhindern, hält der Rezensent für eine rundum gute Sache. Allerdings können ihn Stillers Ausführungen nicht ganz zufrieden stellen. Zwar erachtet es Wallraff als sinnvoll, den "Sumpf zu beschreiben, aus dem Stoiber kommt". Leider gelinge es dem Biografen dabei nicht immer, Wichtiges von Unwichtigem zu scheiden. Wallraff kritisiert zudem, dass Stiller über seiner historischen Aufarbeitung des Amigo-Sumpfes seit 1957 die Porträtierung des Kandidaten bisweilen aus den Augen verliert. Statt den selbst ernannten "Manager der Bayern AG" zu entzaubern, halte sich Stiller viel zu lange mit der Frühgeschichte der CSU auf, bemängelt Wallraff. Was aber auch sein Gutes hat, denn: über die Skandale der Straußschen CSU "liest man immer wieder gern", erklärt der Rezensent.
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