Michael Krüger

Der Gott hinter dem Fenster

Erzählungen
Cover: Der Gott hinter dem Fenster
Haymon Verlag, Inssbruck 2015
ISBN 9783709971918
Gebunden, 224 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

In den Geschichten von Michael Krüger geht es nicht ganz geheuer zu: Ein Mann hinter dem Fenster bildet sich ein, alle Menschen seines Viertels am Gang und an ihren Gesten zu erkennen - bis auf einen, der regelmäßig im Zwielicht kommt und sich beharrlich den gierigen Blicken des Beobachters entzieht. Dem Wanderer in den Schweizer Bergen ergeht es nicht besser - nicht genug, dass er auf Spuren von Wölfen stößt, hat er bald einen Weggenossen, der aus dem Nichts auftaucht und versucht, den einsamen Spaziergänger in seine Gewalt zu bringen. Und auch das Mädchen auf der Haustreppe erscheint ohne Vorwarnung und zieht in das Leben des perplexen Bewohners ein, in dem kein Stein auf dem anderen bleibt...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.01.2016

Die meisten der Geschichten in Michael Krügers Erzählband "Der Gott hinter dem Fenster" werden von alten Intellektuellen erzählt, die abgeklärt und ein wenig melancholisch durch die Welt stapfen und Glücksmomente suchen, schreibt Rezensent Ulrich Greiner. Die schönste Geschichte ist aber die eines Jungen, der nach dem Krieg bei den enteigneten Großeltern aufwächst, findet der Rezensent. In Ermangelung von Pointen wirken die Erzählungen auf Greiner eher wie "Präludien zu nicht geschriebenen Romanen" denn als typische Kurzgeschichten. Lieber als diese potenziellen Romane würde der Rezensent nur eine Autobiografie Michael Krügers lesen, vielleicht entdeckte man deren Spuren dann auch in diesem Band, vermutet Greiner.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2015

Auch wenn die Figuren dieses tragikomischen Erzählbandes allesamt Melancholiker sind, hat Rezensent Roman Bucheli Michael Krügers "Gott hinter dem Fenster" ausgesprochen gern gelesen. Mit Witz, Ironie und Sarkasmus erzähle der Autor von alten, müden und misanthropischen Männern, meist Schriftstellern, die sich ihn ihrem Kulturpessimismus ergehen, informiert der Kritiker, der insbesondere bewundert, wie brillant Krüger die Grenze zwischen Autobiografie und Fiktion auslotet. Dieses Buch ist eine ebenso einfühlsame wie amüsante Anatomie des Melancholikers, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.11.2015

Gern hat sich Christoph Bartmann unter den Gegenwartsskeptikern aufgehalten, die Michael Krügers Erzählband "Der Gott hinter dem Fenster" zahlreich bevölkern. Geballte Kulturkritik liest der Rezensent hier, wunderbar wütend vorgetragen, wenn auch ähnlich aussichtslos wie es etwa bei Thomas Bernhards Weltverachtung der Fall ist. Das stört den Kritiker, der in Krügers "parodistischem Polterregister" überhaupt viele Bernhard-Anleihen bemerkt, aber ganz und gar nicht. Vielmehr amüsiert er sich mit den endzeitlich gestimmten Ich-Erzählern, die ihre Computer in den Bio-Müll werfen oder Zeitungslektüre und Theaterbesuche als Höllenqualen empfinden. Vor allem aber ist es Krügers Kontrastierung mit sanften, poetischen Momenten, die dieses Buch für Bartmann zu einem Ereignis machen: Die lyrisch-melancholischen Beobachtungen, etwa von Apfelbäumen, die Krügers weltflüchtige, "komische Heilige" hier machen, haben dem Rezensenten gut gefallen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2015

Rezensent Alexander Kosenina freut sich über den ersten, nun unter dem Titel "Der Gott hinter dem Fenster" erschienenen Erzählband Michael Krügers. Der Kritiker, der den Autor bisher vor allem als Lyriker und Essayisten schätzte, stellt hier fest, dass Krüger auch die Kunst der Erzählung beherrscht. Und so liest er aufmerksam die dreizehn "ironisch-melancholischen", reflektierten und konzentrierten Geschichten, in denen ihm sorgsam gezeichnete Figuren begegnen, die alle unter ihrer Verunsicherung, Haltlosigkeit und Orientierungsschwäche leiden. Herausragend erscheinen Kosenina insbesondere Krügers Schriftstellerfiguren, die den besonderen Erzählton des Autors am besten zur Geltung bringen.
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