Michael Köhlmeier

Matou

Roman
Cover: Matou
Carl Hanser Verlag, München 2021
ISBN 9783446270794
Gebunden, 960 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Die großen Fragen der Menschheit - betrachtet von einem einzigartigen Kater: Matou. Sein Leben ist ein Sieben-Leben-Leben, es reicht von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart. Seine Leidenschaft ist es, den Menschen verstehen zu lernen. E.T.A. Hoffmann und Andy Warhol kannte er persönlich, auf der Katzeninsel Hydra führte er einst einen autokratischen Staat und kämpfte im Kongo gegen die Kolonialherren. Matous Leben sind voller großer Abenteuer, er ist ein wilder Geschichtenerzähler und ein noch größerer Philosoph. Er ist der Homer der Katzen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.11.2021

Rezensent Ulrich Greiner ackert sich tapfer durch die sieben Leben eines Katers, die ihm Michael Köhlmeier hier auf knapp 1000 Seiten ausbreitet. Mit jenem Matou erlebt der Kritiker die Französische Revolution, liest, wie der Kater Pate für E.T.A Hoffmanns Kater Murr steht, begegnet Kafkas Affen Rotpeter, macht Erfahrungen als Katzendiktator oder nimmt an einer New Yorker Abendgesellschaft mit Andy Warhol, Susan Sontag und Noam Chomsky teil. Vor allem aber lässt sich Greiner von Köhlmeier allerhand "sprachphilosophische Glossen, kulturkritische Exkurse", gelegentlich auch "wohlfeile Weisheiten" um die Ohren hauen. Dass der Autor offenbar das Bedürfnis hatte, sein gesamtes Wissen in dieses Buch zu packen, macht die Lektüre für den Rezensenten ziemlich ermüdend. Spaß hat er dennoch immer wieder mit den Anekdoten aus den vielen Leben des eigensinnigen Katers.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2021

"Matou" beginnt als ambitioniertes Projekt einigermaßen vielversprechend, wird jedoch mit jeder Seite mehr und mehr zur Quälerei, bedauert Rezensent Burkhard Müller. Das Konzept ist schnell zusammengefasst: Ein Kater erzählt in Ich-Form aus seinen sieben Leben. Ob ein solches Konzept aufgeht, hängt von zwei Fragen ab, erkennt Müller: Schafft es der Autor, die Spannung zu halten über all die wechselnden Schauplätze und Erzählstränge, und: gelingt es ihm, dem erzählenden Tier einen eigenen Ton zu geben? Über beide Fragen hat sich der Autor offenbar keine Gedanken gemacht, meint Müller enttäuscht. Ja, überhaupt verhärtet sich bei fortschreitender Lektüre der Verdacht, Köhlmeier habe nur nach einer Form gesucht, die es ihm erlaubt, alles zu verwursten, was er schon seit längerem in der Schublade liegen hat - einiges darunter ist für sich genommen durchaus von Qualität, wie etwa einzelne hellsichtige Beschreibungen oder einige der Gedichte, die er immer wieder einstreut. Über andere dieser lyrischen Ergüsse wiederum kann der Rezensent nur mit dem Kopf schütteln. Erschöpft stellt er nach 960 Seiten fest: Hier maschiert jemand "mit Pauken und Trompeten ins Nichts".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2021

Rezensent Alexander Kosenina scheint ein bisschen überfordert zu sein mit Michael Köhlmeiers Romanziegel. Aber der erzählende Kater im Buch hat nunmal sieben Leben und ist ein höchst belesener Universalgelehrter. Also folgt Kosenina ihm bereitwillig ins vorrevolutionäre Paris, wo das Tier seinem guillotinierten Herrn nachtrauert und das Sprechen lernt, weiter in E.T.A. Hoffmanns Berlin, wo das Tier laut staunendem Rezensent jede Menge Anlass findet, literaturhistorisches Wissen von sich zu geben, bis auf die Katzeninsel Hydra und zu Warhol in New York. Kosenina hegt den Verdacht, dass dieser Kater viel von Michael Köhlmeier hat, aber beweisen kann er es nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.08.2021

Wie die Figuren in Michael Köhlmeiers Roman staunt auch Rezensent Martin Oehlen erst einmal darüber, dass hier ein Kater namens Matou aus der Ich-Perspektive erzählt, spricht und singt: Aus seinen sieben Leben von der Französischen Revolution bis zur heutigen Zeit berichtet er in dem 960-Seiten-Wälzer, logiert dabei mal bei E.T.A. Hoffmann, mal bei Andy Warhol und besucht Hegel-Seminare - "halt ein genialer Kater", schmunzelt Oehlen; die Aufklärung in Person, dabei aber eben immer auch Tier. Die zahlreichen Kuriositäten, mit denen Köhlmeier hier aufwartet, amüsieren den Kritiker: Sei es ein kurzer Zwischenstopp im Katzen-Jenseits, seine Rezitation von Lou Reed-Lyrics oder der Entwurf einer Novelle über de Gaulle und Adenauer (die "kühnste Volte" des Romans, wie Oehlen findet) - das alles scheint dem Rezensenten durchaus gelungen. Die ein oder andere Anspielung auf die eigene Biografie oder auf frühere Romane könne sich der Autor da leisten, schließt er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.08.2021

Rezensent Florian Felix Weyh entdeckt manches Lohnende in diesem voluminösen Buch von Michael Köhlmeier, der sich darin ausgiebig einem, nein den sieben Leben einer Katze widmet. Wenn der Autor Historisches wie die Französische Revolution, Kafkas Prag oder Warhols New York aus philosophisch-eitler Katzenperspektive durchwandert, unterhält sich Weyh durchaus. Nur: Der Rezensent zählt sich nun mal nicht zu den großen Katzenliebhabern, und Köhlmeiers mit Samtpfoten aufgeblätterten Diskurse über Moral, Gewissen, Sprache oder Sterblichkeit scheinen ihm doch allzu ausufernd, die Bildung und Sprachmächtigkeit des Autors in allen Ehren. Eine ökonomische Kurzversion des Textes hätte dem Rezensenten offenbar genügt.

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