Umfassende Analysen des globalen Kapitalismus haben wieder Konjunktur, und mit ihnen kommt auch der zwischenzeitlich totgesagte Karl Marx wieder zu unverhofften Ehren (Negri/Hardt, Robert Kurz u.a.). Freilich scheint diese Auseinandersetzung durchweg recht oberflächlich, findet zumindest Michael Heinrich und plädiert somit für eine Neuaneignung der Marxschen Theorie selbst. Daher zeigt er Wege zum Verständnis des Marxschen Hauptwerkes, dem dreibändigen "Das Kapital" auf. Heinrich skizziert die historischen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen für die Entstehung der "Kritik der politischen Ökonomie", geht auf deren methodischen Grundlagen ein und stellt die wichtigsten Begriffe und Konzepte vor. Was ist eigentlich Kapitalismus, und was hat es mit der ominösen Dialektik auf sich? Wie entsteht Mehrwert? Was ist Fetischismus, und wie verhält es sich mit Politik und Staat? Darüberhinaus fragt Heinrich aber auch nach der Aktualität des Marxschen Denkens und der Möglichkeit einer "Gesellschaft jenseits der Warenform".
Rundum überzeugt zeigt sich Rezensent Kolja Lindner von Michael Heinrichs Einführung in die marxistische politische Ökonomie, in der Gegenstand, Methoden und Grenzen von Marx Projekt allgemein verständlich erläutert und kritisch diskutiert werden. Wie Lindner berichtet, bietet das Buch im Hauptteil eine systematische Zusammenstellung aller wichtigen Theoreme aus den drei Bänden des "Kapitals", gestützt von der Auswertung anderer Marxscher Texte aus dem Umkreis der Kritik der politischen Ökonomie, wie den "Grundrissen" und den Theorien über den Mehrwert. Als Heinrichs Ziel nennt Lindner dabei die Lösung des Marxschen Oeuvres von traditionsmarxistischen Verstellungen. So führe Heinrich Begriffe wie Dialektik, Klasse und Ausbeutung "ganz nüchtern" ein. Neben der "begrifflichen Immunisierung gegen "Weltanschauungsmarxismus" lobt Lindner vor allem die Allgemeinverständlichkeit des Buches, die nicht zu Lasten des Problematisierungsniveaus gehe. Er hebt hervor, dass Heinrich immer wieder "mit Marx gegen Marx" argumentiert und so nicht nur dessen Aktualität, sondern auch seine politische Relevanz unter Beweis stelle. Das Resümee des Rezensenten: "selbst für Marx-KennerInnen ein Gewinn".
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