Kjona Verlag, München 2026
ISBN
9783910372634 Gebunden, 256 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem englischen von Stefanie Ochel. Ein zweifelhafter Hinweis genügt und schon wird die zehnjährige Lucy des Mordes an einer jüngeren Spielgefährtin verdächtigt. Der Fall spaltet die Gesellschaft. Denn während das Opfer aus gutem Hause kam, lebt Lucy Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer jungen irischen Mutter Carmel in einer Südlondoner Sozialsiedlung. Lucy ist schon häufiger auffällig geworden, und Carmel ist vor allem Männern ein Dorn im Auge. Sie ist schön, aber abweisend, gebrochen und unerreichbar. Als ein Journalist versucht, Carmels Vertrauen zu gewinnen, bahnt sich eine mediale Hetzjagd an, angefeuert von Fremdenhass und Misogynie. Und Carmel und Lucy blicken erneut in die Abgründe, die sie aus Irland hierhergeführt haben.
Für Rezensentin Shirin Sojitrawalla ist dieser neue Roman von Megan Nolan packend wie eine Krimiserie: Seinen Ausgang nimmt die Geschichte bei dem Mord eines kleinen Mädchens, dessen die zehnjährige Lucy Green verdächtigt wird. Der Reporter Tom ist zufällig als erster am Ort und beginnt sein "Witwenschütteln", also das rücksichtslose Eindringen in Lucys Familie, die als eher einfache Leute wenig Erfahrung mit der Abwehr lästiger Journalisten haben, resümiert die Rezensentin. Gebannt verfolgt sie die Geschehnisse aus vielen verschiedenen Perspektiven, die wie ein Gerichtsverfahren und zugleich ein Psychogramm der Familie wirken, deren Geschichte sich zwischen Teenager-Schwangerschaft, Abtreibungsversuchen und Statusverlust bewegt. Wie Nolan diese komplizierten Biografien offenlegt, Empathie ermöglicht und dabei auf Klischees verzichtet, findet die Kritikerin beeindruckend: Ein Roman, der nicht nur rasant erzählt, sondern auch ein Lehrstück der Frage ist, wie man über Klassismus schreiben kann, schließt sie.
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