Martina Hefter

Junge Hunde

Roman
Cover: Junge Hunde
Alexander Fest Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783828601666
Gebunden, 135 Seiten, 14,89 EUR

Klappentext

Gerade in Leipzig angekommen, steigt die Choreographiestudentin Helen in das Taxi des junge Vinz. Er soll sie durch die Gegend fahren, einfach so. Und obwohl da nicht mehr ist als der eine oder andere Blick, kann Vinz Helen nicht vergessen. Martina Hefter erzählt in ihrem Debüt die einfachste Liebesgeschichte der Welt: Ein Paar sucht sich. Und findet sich auch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.08.2002

Ein höchst reifes Debüt stellt dieser Roman für die Rezensentin dar. Reif allerdings nicht im Sinne von Abgeklärtheit, sondern einer "Eleganz, die nicht glänzen will", einem knappen, sachlichen Tonfall, der den "vorsichtigen Bewegungen" (so eine Kapitelüberschrift und, wie Hella Kemper schreibt, das Leitmotiv der Geschichte) der jungen Protagonisten entspricht. Erzählt wird die "immer wieder wundersame boy-meets-girl- Geschichte" mit Leipzig als Kulisse, doch nicht als Wenderoman, wie Kemper beruhigt, dafür als gerade wegen seiner Kargheit ("Hefter hascht nicht nach Effekten, fischt nicht in den Untiefen der Seele") glaubwürdiges Debüt, in dem alles auf Sparflamme köchelt: Die Küsse, die Liebe, der Sex.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2002

Martin Krumbholz ist begeistert von dem Romandebüt der 1966 im Ostallgäu geborenen Martina Hefter. Diese habe in ihrem Roman "das Klima eines Epochensegments" so "klarsichtig und tiefenscharf" erfasst wie Bodo Morshäuser in seinen "Berliner Simulation" oder Christian Kracht mit "Faserland". Bei Hefter geht es um die Zeit nach der Wende. Die Geschichte spielt in Leipzig, neun Jahre nach dem Mauerfall, "unter der glitzernden Oberfläche kapitalistischer Wonnen". Eine Frau aus dem Westen und ein Mann aus dem Osten begegnen sich in einem Taxi, verlieben sich, verlieren sich aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn und versuchen fortan, einander wiederzusehen, berichtet der Rezensent über den Inhalt. Die Geschichte sei dynamisch und spannend erzählt, und Hefters Figuren seien "frei von den zähen Verklemmtheiten früherer Epochen", freut sich der Rezensent. "Martina Hefter ist eine wunderbare Erzählerin", lautet denn auch sein Fazit, eine Erzählerin, die es verstehe, ihre Figuren unaufdringlich, "sparsam" und doch "vielsagend" durch den Roman zu leiten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2002

Auch wenn der Titel des Romans es nahelegt, Hunde stehen darin überhaupt nicht im Vordergrund, klärt Burkhard Scherer auf. Vielmehr geht es um die liebestrunkenen Tändeleien zwischen Helen und Vinz, zwei Endzwanziger, die sich während einer Taxifahrt durch Leipzig kennenlernen, einander nicht aus den Augen verlieren, aber auch nicht recht zusammenkommen, berichtet der Rezensent. Nicht nur das irritiert ihn, sondern auch so manches ostdeutsche Verhalten, das Scherer "mysteriös" findet. Leider lasse Martina Hefter den Leser, mäkelt der Rezensent, mit Erklärungsversuchen manch eigenwilliger Taten allein. Die Autorin könne zwar schreiben, erkennt der Rezensent an, bisweilen gelängen ihr stimmungsvolle Bilder, die in ihm Assoziationen zu den Filmen von Angelopoulos und Tarkowskij wecken, doch habe sie es nicht vermocht, die Geschichte zusammenzuhalten. Das Protagonistenpaar jedenfalls verleitet Scherer denn doch noch zu einem tierischen Vergleich: Es erscheint ihm so ermattet wie "kontaktscheue Pinguine nach fünf Jahren Zwangsarbeit in einem Streichelzoo in der Lüneburger Heide". Mit dem Temperament junger Hunde haben die allerdings wenig gemein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001

Wohlwollend betrachtet Petra Kohse das literarische Debüt von Martina Hefter, die in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut studiert. Wie die Protagonistin ihres Romans ist auch sie aus dem Westen in den Osten gekommen, teilt Kohse mit. Ein Buch, das vom Ankommen handelt, vom Zustandekommen verschiedener Beziehungen, ein Liebesroman, in dem es nach Kohse nicht um das Miteinander, sondern um "das Zueinander eines Paares" geht. Und am Ende weiß man seltsamerweise mehr über den Mann aus dem Osten als über die Frau aus dem Westen, staunt die Rezensentin. Stilistisch rutscht Kohse der Text Hefters zu oft ins Sentimentale ab, hagelt es am Ende zu viele "Neuanfangsmetaphern"; wo es diese Ausrutscher nicht gibt, funktioniert er jedoch gut, findet Kohse und lobt den Versuch, "bei den eigenen Erfahrungen zu bleiben". "Beiläufigen Realismus" nennt sie das.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.10.2001

Das Leipziger Literaturinstitut trage wohl zur zunehmenden Zahl der Leipzig-Romane bei, vermutet Hans-Peter Kunisch, dem dieser Erstling von Martina Hefter mit einigen Abstrichen gut gefällt. Ihre autobiografischen Spuren habe sie kaum verwischt, meint Kunisch über die Autorin, ihr Roman sei eine Liebeserklärung einer Westdeutschen an ihre neue Heimat im Osten. Und so würden in ihrem Buch Kommunikationsmodelle zwischen Ostlern und Westlern durchgespielt, die auf ein langsames Verbleichen der Unterschiede in Erfahrung und Wahrnehmung hindeuteten. So wie Hefter die Annäherung oder Verschmelzung zweier Länder beschreibt, vollzieht sich für Kunisch parallel dazu die Annäherung zweier Menschen - eine sanft aufkeimende Liebesgeschichte, die dem Roman "einen wunderbar offenen Schluss" erlaube.
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