Jochen Missfeldt

Gespiegelter Himmel

Roman
Cover: Gespiegelter Himmel
Alexander Fest Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783828601475
Gebunden, 423 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Dies ist die wundersame Geschichte zweier Männer, die dieselben Frauen lieben und durch ein tragisches Schicksal aneinandergekettet sind. Gustav Hasse, das Abitur gerade in der Tasche, will Flieger werden. Nicht von Segelflugzeugen, sondern von den "Titanvögeln" der Bundeswehr. Stationiert in der Nähe seines schleswig-holsteinischen Heimatortes Solsbüll, tritt er 1962 den Dienst an. Roswitha, sein früheres Kindermädchen, geht ihm nicht aus dem Kopf. In langen Nächten im Kasernenbett, da denkt er an sie. Enes Tages macht sich sein Vorgesetzter Heinrich Zürndorfer erst an Roswitha, dann an Susanne, Hasses zweite Liebe, heran...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2002

Ein bizarres Buch muss das sein. Vom Fliegen in postheroischer Zeit erzählt es, wie Wolfgang Lange erklärt, "aber auf äußerst romantische Manier". Kann man Starfighter und Götter vereinen? Offenbar ja. Sogar einen lyrischen Roman, der den Rezensenten momentweise an Puschkin oder Byron denken lässt, kann man draus machen. Einen Fliegerroman, der mehr durch seine poetischen Qualitäten, seine ständigen "Abschweifungen ins Symbolische", besticht als durch seinen Plot oder irgendwelche dramatischen Zuspitzungen im Himmelblau. Bleibt dem Leser noch, die Warnung des Rezensenten zu beherzigen und das Buch mit Vorsicht zu genießen, "in wohldosierten Portionen", sonst "stellt sich leicht ein Gefühl der Übersättigung ein".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.01.2002

Jochen Missfeldt ist ein Erzähler von starken Geschichten, das habe er schon mit "Solsbüll" von 1989 unter Beweis gestellt, findet Jürgen Verdofsky. Seine dort festgehaltenen "Lebensgeschichten aus zwei Weltkriegen und zwei Nachkriegszeiten in einem schleswig-holsteinischen Garnisons-Städtchen" verdanken ihren Realismus sicher nicht zuletzt der Tatsache, dass der Autor selbst zwanzig Jahre Kampflieger war und somit wusste, wovon er schrieb. In dem neuen Roman entdeckt der Rezensent jedoch "surreale Einsprengsel" in Form von Faust-Motiven, die das realistische Erzählen unterbrechen. Dieser "Faust-Mephisto-Schatten", der auf die Geschichte fällt, soll diese wohl interessanter machen, vermutet Verdofsky. Er findet das jedoch nicht so geglückt, denn "die surrealen Ebenen bleiben Teil der Handlung, brechen sie wenig", kritisiert er. Missfeldt scheint im übrigen auf verstärkende Mittel gar nicht angewiesen zu sein. Der Konfliktstoff, den Missfeldt an dem "Vorzeige-Offizier Zürndorfer und dem auf der Schattenseite stehenden Gustaf Hasse festmacht, erscheint nach Verdofskys Darstellung durch das epische Talent des Autors gekonnt ausgebreitet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2001

Ijoma Mangold ist voll des Lobes für den zweiten Roman des 1941 geborenen Jochen Missfeldt, dessen Schriften und Gedichte bisher weitgehend unbekannt geblieben sind, so der Rezensent. Außer einer kleinen Schar von Angehörigen der Luftwaffe, Piloten von Kampfflugzeugen, sei der Autor nur wenigen ein Begriff. Missfeldt selbst hat den Starfighter, der viele Piloten das Leben gekostet hat, geflogen, berichtet Mangold, und er hat ihn in diesem Roman zum Thema gemacht. Aber nicht als kriegverherrlichendes Instrument, sondern im Kontext des Fliegens und des Naturerlebnisses und eingebettet in eine Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Geschrieben sei dieser Roman sprachlich fein, poetisch und vor allem facettenreich, lobt der Rezensent, der sich an Thomas Manns "Doktor Faustus" erinnert fühlt. Wie "Doktor Faustus" sei auch "Gespiegelter Himmel" ein Deutschlandroman, dessen Figuren von Schubertscher Innerlichkeit gekennzeichnet seien. Und, würdigt Mangold Autor und Werk, hier sei der glänzende und originelle Versuch geglückt, den Starfighter als Maschine der Weltflucht zu rehabilitieren, in der die Einheit des Lebens über alle Widersprüche triumphiere.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2001

Rolf Vollmann ist von diesem Autor völlig begeistert. Er gerät bei seinem neuen Roman richtig ins Schwärmen, obwohl er weiß, dass es sich bei dem Buch nicht gerade um Mainstream-Literatur handelt, und es wohl nur eine begrenzte Leserschaft finden wird. Zwar gibt er zu, selbst auch nicht immer alle Anspielungen auf klassische Literatur in dem Roman "mitzukriegen", aber das stört ihn überhaupt nicht. Er fühlt sich an Arno Schmidt wie auch an Döblin erinnert, nicht nur in den Anspielungen, sondern auch in den Naturschilderungen, und zwar bevor diese "Manieren" entwickelt haben. Er preist den Autor für diesen "herrlichen Roman" und empfiehlt ihn ohne Einschränkungen weiter.
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