"Unsere Sprachen sind verlässlicher als wir selber" ? vorausgesetzt, sie werden nicht in den Dienst von Meinungen gestellt: "Ich vertraue. Querfeldein" lotet in sieben Reden und Aufsätzen aus jüngster Zeit die Möglichkeiten eines nicht bevormundenden Sprechens aus. Ob Martin Walser über die Schüchternheit schreibt, sich über das Selbstgespräch als Utopie öffentlicher Rede Gedanken macht oder die öffentlich-mediale Verpflichtung zur Betroffenheit anprangert ? all diese Versuche kreisen um die Gewissensnot, die eine "adressierte Sprache" erzeugt, eine Sprache, die der Intention des Gesagten zuwiderläuft. Was verrät Sprache, und was verbirgt sie, wie wird sie Ritual und also unwahrhaftig, und wie kann sie Denken und Fühlen genau fassen? Walsers Reden und Aufsätze versuchen Antworten auf diese Fragen, die nicht zuletzt durch die in dem Band enthaltene Friedenspreisrede im öffentlichen Bewusstsein angekommen sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2000
Hans Christian Kosler weist darauf hin, dass in dieser Aufsatz- und Redensammlung auch die Rede zur Verleihung des Friedenspreises enthalten ist. Dies nimmt Kosler zum Anlass, der Frage nachzugehen, ob man ?Walser überhaupt missverstehen? könne. Denn dem Rezensenten drängt sich durchaus der Eindruck auf, dass schon eine gewisse gezielte Anstrengung erforderlich ist, um Walser wirklich mißzuverstehen. Und dies gilt, wie er anmerkt, genauso für die übrigen Texte des Bandes. Koslers Sympathie für den Autor und seine Texte ist ihm deutlich anzumerken. Walser ist für ihn der ?Humanist ohne Pathos, der Zweifler, der begeisterte Leser und der Sprachdenker, der hier zu Wort kommt?. Gleichzeitig betont Kosler auch die ?Selbstanalyse, ja (... ) Selbstzerknirschung?, die in seinen Texten immer wieder spürbar werde.
Zwar ist Elke Schmitter der Ansicht, dass sich die Lektüre des Bandes durchaus lohnt. Es scheint jedoch nicht ganz leicht zu sein, dies auch zu begründen, zumal die Autorin - das ist unübersehbar - dem Autor gegenüber recht ambivalent eingestellt ist. Schmitter weist darauf hin, dass der Band neben der Paulskirchen-Rede und einem Essay über Schüchternheit den Text „Seelenarbeit“ enthält, der im Januar diesen Jahres in der „Zeit“ erschienen ist. Hier geht es, so erfährt der Leser, um Selbstgespräche und die Entwicklung einer eigenen Sprache. Schmitter merkt in diesem Zusammenhang an, dass „die Verletzung, der Mangel, aus dem das Bedürfnis zu sprechen entsteht“ ihrer Ansicht nach in Walsers Werk eine tragende Rolle spielt.
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