Martin Walser

Das geschundene Tier

Neunundreißig Balladen
Cover: Das geschundene Tier
Rowohlt Verlag, Reinbek 2007
ISBN 9783498073596
Gebunden, 90 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Mit Zeichnungen von Alissa Walser. "Mir wächst keine Blume im Mund", heißt es in einer der 39 Balladen vom täglichen Leben mit dem Schmerz. Die Rede ist vom Schmerz eines Stürzenden, Geschundenen, Verletzten, der sagt: "Würf ich jetzt ein Blatt ins Wasser/ spränge drauf, es trüge mich, ich/ schwämme davon. So aber geh ich/ unter auf dem festen Land." Es sind zarte, dunkle Balladen von nur wenigen Zeilen Länge, aber ihre tragischen Themen sprechen für sich: das Hadern mit Dummheit und Leere, Lüge und Hass, die Klage über Unverständnis, Feindseligkeit und Folter, das Ringen mit dem Stolz, der Finsternis, der Scham. Sehnsüchte, Wünsche werden laut und verstummen gleich wieder.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2007

Rezensent Hubert Spiegel zitiert erst einmal den ersten Satz aus Martin Walsers Dissertation über Kafka, in dem es sinngemäß heißt, dass die "vollkommene Dichtung" jeden Bezug auf ihren Autor erübrigt. Davon, so Spiegel, kann bei diesem jüngsten Werk Walsers gewiss nicht die Rede sein. Sehr persönlich kommt es daher, man könne die Bezüge zur Biografie des streitbaren Autors überhaupt nicht übersehen - freilich mache sie diese ungescheute "Ichbezogenheit" fast schon wieder allgemeingültig. Obwohl der Rezensent nicht auf einen Verriss aus ist, scheint er von der "Vollkommenheit" dieser lyrischen Miniaturen - Balladen, wie der Untertitel verkündet, seien es ohnehin nicht - nicht restlos überzeugt. Wo "Allmachtsansprüche" auf "Ohnmachtsgefühle" treffen, komme nicht unbedingt große Literatur heraus, wenngleich unverkennbarer Walser. Gar nicht schlecht, findet Spiegel, passen die dem Band beigefügten Skizzen von Walsers Tochter Alissa zu den Gedichten, weil sie unprätentiös sind, wo diese manchmal ein bisschen groß tun.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.03.2007

Als "kleine intime Blitzlichter" hat Rezensentin Verena Auffermann die Texte dieses ersten Gedichtbandes des achtzigjährigen Autors genossen, die sie "illuminiert von der Todesangst und der Trauer der Liebe" findet. Besonders beeindruckt die Rezensentin, dass Walser stets Maß hält und seiner breiten Gefühlspalette eher zu knapp als zu ausführlich Ausdruck verleiht; dass er sich seinem großen Ego stellt, ohne darauf herein zufallen. Zwar habe Walser die 39 Texte "Balladen" genannt, doch seien es knappe Vier- bis Achtzeiler, die Auffermann als "Tanzlieder um das Ich" und die Liebe beschreibt. Die kühlen, "wenig walseresken" Gedichte im Verbund mit den schwebenden Zeichnungen von Walsers Tochter Alissa machen das Buch für die Rezensentin insgesamt zu einem "wunderbar melodisch sich hebenden und senkenden Schaubuch".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2007

Zum achzigsten Geburtstag spricht der Dichter als lyrisches Ich. Ein Ich, das leidet, das einen "einsamen Tanz" vorführt, zornig manchmal, waidwund oft. Die Frage, ob es sich um Martin Walsers "persönlichstes Buch" handle, mag die Rezensentin Andrea Köhler so nicht beantworten. Überhaupt hält sie sich mit einem ausdrücklichen Urteil, vielleicht auch angesichts der Tatsache, dass 15 der 39 Gedichte in der NZZ erstveröffentlicht wurden, eher zurück. Von der "Ironie", die man aus Walsers Prosa kenne, stellt sie jedenfalls fest, gibt es hier keine Spur. Viel eher fühlt sich Köhler von Inhalt und Ton der Gedichte an "Gebete" erinnert, solche freilich, in denen von einem "Jenseits" die Rede nicht sein kann.
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