Sein Großvater Roda Roda war der berühmteste Humorist der Weimarer Republik, sein Vater Ulrich Becher in den fünfziger Jahren ein vielgespielter Dramatiker - in diese Literatenfamilie hineingeboren, eifert Martin Roda bereits als kleiner Junge seinem Großvater und seinem Vater nach, schreibt Geschichten und Gedichte. Unentwegt bereist die soeben aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrte Familie mit der Eisenbahn die Strecken zwischen Wien und Basel, München und Zürich - Hotels, Pensionen und Apartmenthäuser werden für das Kind zum Zuhause. Mit Humor und Sinn für groteske Situationen schreibt Martin Roda Becher das Drehbuch seiner Familiengeschichte - eine Irrfahrt durch die Nachkriegszeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2001
Rezensent Thomas Rietzschel findet an diesem Roman insbesondere die Schilderungen des Gefühls von Heimatlosigkeit bemerkenswert. Der Schweizer Autor Martin Roda Becher erzählt die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend sowohl beispielhaft als auch einzigartig, lobt der Rezensent. Der Autor, der aus einer Schriftstellerfamilie kommt, beschreibe immer wieder die "Angst vor der Sesshaftigkeit, die ewige Unbehaustheit des Intellektuellen nach seiner Vertreibung". In dieser Familiengeschichte sei noch mal "der ganze Bildungsroman des 20. Jahrhunderts" zu finden, wie Rietzschel meint.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2001
Wenig besser als die Eltern aus Sicht des Sohnes in der vorliegenden Autobiografie, kommt das Werk in der Rezension von Katharina Döbler weg. Wo der Autor seine Eltern als "Exzentriker im Profil" darstellt, lässt er eine irritierte Rezensentin zurück, die nicht zu entscheiden wagt, ob hier eine "Selbstvergewisserung" vorliegt oder eine "Abrechnung". Die "geschliffenen Formulierungen" sind am Anfang noch witzig, so Döbler, "später nur noch scharf" und lassen nicht mehr entscheiden, ob der Text "Wunden heilen oder zufügen soll". Wenn auch manche Stationen der Autobiografie eines Künstlerkindes das Interesse der Rezensentin wecken - wie zum Beispiel der "furchteinflössende" Auftritt von Helmut Qualtinger als Babysitter -, bleibt einzig das "Talent für das seitenlange Bonmot und die literarische Karikatur", das den Autor auszeichne; aber das scheint nicht unbedingt das zu sein, was die Rezensentin von einer guten Autobiografie erwartet.
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