Mit einem Nachwort von Peter Hamm. Jakob Schaffner, dessen Bücher vor dem Krieg Millionenauflagen erreichten, geriet später seiner Nazi-Gesinnung wegen in Vergessenheit. Sein 1922 veröffentlichter, autobiographisch gefärbter Roman ist einer der faszinierendsten der Schweizer Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2005
Erfreut zeigt sich Rezensentin Sabine Doering über die Neuausgabe von Jakob Schaffners 1922 erschienen Roman über eine entbehrungsreiche Jugend in einem pietistischen Erziehungsheim, der als das berühmteste Buch des Schweizer Schriftstellers gilt. Der zahlreiche autobiografische Momente aufweisende Roman liefert ihrer Ansicht nach "beklemmende Innenansichten" aus dem Alltag eines rigiden Erziehungssystems, das auf ausgefeilter Überwachung und einem engen Netz von Strafen basiert. Als Vergleich führt Doering Hesses Jugendgeschichte "Unterm Rad", die ebenfalls in dem strengen Milieu des süddeutschen Pietismus angesiedelt ist, und vor allem an Musils "Verwirrungen des Zöglings Törleß" an. Dass der einst überaus bekannte Autor inzwischen nahezu in Vergessenheit geraten ist, erklärt Doering mit seiner Parteinahme für die Nationalsozialisten, die ihm seiner Schweizer Landsleute nicht verziehen. Vorliegender Roman biete indes die Gelegenheit, den Schriftsteller Jakob Schaffner vor seiner nationalistischen Verirrung kennenzulernen. Sie würdigt das Buch als "Lehrstück über die Herausbildung eines autoritären Charakters" und zugleich als "sprachgewaltigen Roman", der eindringlich den Wahnsinn eines totalitären Erziehungssystems schildere.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2005
Der Schweizer Schriftsteller Jakob Schaffer ist ein besonderer Fall, klärt uns Martin Zingg auf: in der Schweiz seien seine Bücher nach 1945 in den Giftschrank gesperrt worden, weil der Schriftsteller offen für die Nationalsozialisten Propaganda gemacht hatte. Kein Grund, ärgert sich Zingg, deshalb alle Bücher des 1944 verstorbenen Autors mit dem Bannstrahl zu belegen. Der nun neu herausgegebene Roman "Johannes", der in einer offen autobiografischen Weise von Schaffers harter Jugend in einer protestantischen Erziehungsanstalt berichtet, datiert bereits aus dem Jahr 1922; es ist ein großartiges Buch, schwärmt Zingg, das, an der klassischen Erzählweise des 19. Jahrhunderts orientiert, diese repressive "Spielart des Protestantismus, exekutiert an bedürftigen Kindern", auf überraschend distanzierte Weise vorführt. Schaffer schreibe ganz unaufgeregt, meint der Rezensent, Schaffer beschönige und unterschlage nichts, da gäbe es keine dramatisch ausgemalten "Leidenstableaus". Den Lesern empfiehlt Zingg unbedingt das exzellente Nachwort von Peter Hamm, das den Roman im Gesamtschaffen des Schweizer Autors verortet.
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