Die schöne Gewohnheit zu leben' ist ein Buch über Italien, über die Reisen eines Deutschen nach Italien. Martin Mosebach schreibt über die Städte Rom und Venedig, über das Leben auf dem Land nahe Neapel, dann über das Maskentheater der Commedia dell'arte. Mosebachs stilistische Präzision, sein Gespür für das Kuriose im alltäglichen Leben und seine Darstellungskraft, die aus dem vollen schöpft, geben diesem Buch seinen eigenwilligen Charme.
Auf sanft altmodische Weise belehrt fühlte sich Helmut Böttiger beim Lesen dieses Buchs, in dem Martin Mosebach seiner Information zufolge anhand Italiens einen Streifzug durch die Kulturgeschichte des Abendlandes unternimmt. Allerdings quittiert der Kritiker die bildungsbeflissenen Belehrungen dieses Autors mit amüsiertem, bisweilen verwundertem Wohlwollen. Mit verbotenen, weil reaktionären Glücksgefühlen springt er mit Mosebach auch schon mal hinter die Grenzen der Aufklärung zurück, und findet im römisch-katholischen Treiben des Mittelalters und der frühen Neuzeit ein imaginäres Zentrum Mosebach'scher Lebenslust. Immer wieder findet er in der Beschreibung Altes und Neues kunstvoll ineinander greifen. Eine Technik kostbarer Addition gar macht der Kritiker in kleinen Beschreibungen scheinbar alltäglicher Dinge aus, in denen Mosebach dann Schicht um Schicht Bildung und Wissen anhäuft und besonders Bedeutsames dabei noch mal mit extra Häkchen versieht, wie der Kritiker tadelnd hinzufügt.
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