Herausgegeben von Rainer Weiss. Mit einem Vorwort von Ina Hartwig. Marie Luise Kaschnitz erzählt in "Gott und die Welt" von ihrem Leben im Frankfurt der 60er-Jahre. Die anstehenden Stürme der Studentenrevolution und der außerparlamentarischen Oppositionen sind in ihren Gedanken präsent. In einer durch die drohende Kündigung ihrer Wohnung im Westend ausgelösten existenzielle Beunruhigung berichtet sie fasziniert von einer sich verändernden Stadt, die trotz aller Sorgen ihr Lebensmittelpunkt bleibt. Und sie beleuchtet Themen, die uns heute noch und wieder beschäftigen: die Zukunft der Arbeit, die Bedrohung durch technische Entwicklungen, die Veränderungen in der Natur. Nicht zuletzt hinterließ uns Marie Luise Kaschnitz wunderbare erhellende Aufzeichnungen, die uns ein Frankfurt zeichnen, in dem man gerne zu Hause ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2026
Rezensentin Ursula Renner fühlt sich insgesamt wohl mit diesem Buch, das Texte von Marie Luise Kaschnitz versammelt, die sich mit Frankfurt beschäftigen, dem langjährigen Wohnort der Literatin. Tatsächlich schreibt Kaschnitz in dieser von Rainer Weiss zusammengestellten Sammlung oft wie eine Art Reiseführerin, meint Renner, die die Leser auf einen Weg "zwischen Realität und Fantasie" führt. Die hier kompilierten, selten erzählerischen, meist essayistischen Beiträge, die zu einem großen Teil aus Kaschnitz' Buch "Tage, Tage, Jahre" stammen, beschäftigen sich jedoch auch, unter anderem, mit dem Erbe der NS-Zeit und mit dem eigenen Älterwerden. Rundum zufrieden ist Renner mit der vorliegenden Edition nicht, insbesondere vermisst sie einen einordnenden Kommentar, der geholfen hätte, Kaschnitz' Werk einem neuen Publikum zu erschließen. Dennoch schließt die Rezensentin mit einer Leseempfehlung nicht nur für Frankfurter.
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