Maria Jose Ferrada

Der Plakatwächter

Roman
Cover: Der Plakatwächter
Berenberg Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783949203794
Gebunden, 128 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Ramón hat die Schnauze voll und einen neuen Job. Er soll das riesige Coca-Cola-Plakat am Ortseingangbewachen. Und weil die Welt von oben besser aussieht, zieht er gleich ganz auf das Gerüst - ein moderner Säulenheiliger. So sehen ihn auch die Leute, die ihn kurzerhand für verrückt erklären und seinem elfjährigen Neffen, der diese schöne Geschichte erzählt, verbieten, seinen Onkel zu besuchen. Genau das macht er natürlich: Da oben sind die Sterne näher, Coca Cola leuchtet, und mit Ramón ist gut schweigen. Aber es gibt Krach. Nicht nur mit Tante Paulina und der Mutter - wer aus der Reihe tanzt, um was Besseres zu finden, den trifft die Wut der Nachbarn, egal , wie mies es denen geht. Was tun? Wie schon in ihrem Erstling "Kramp" lässt María José Ferrada auch hier ein Kind der gewöhnungsbedürftigen Erwachsenenwelt einen klugen, nicht gerade schmeichelhaften Spiegel vorhalten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2024

Mit ihrem neuen Buch ist María José Ferrada eine Fortführung ihrer mit dem Roman "Kramp" begonnenen Gesellschaftsanamnese gelungen, findet Rezensentin Katharina Teutsch. Darin erzählt die vielfach ausgezeichnete chilenische Autorin die absurd-komische Geschichte von Ramón, der, als Wachmann einer Gerüstbaufirma, eines Tages beschließt, auf einem riesigen Coca-Cola-Plakat zu wohnen und die Siedlung, in der er lebte, nunmehr ,von oben' zu betrachten. Wiedergegeben wird diese Geschichte von dem kleinen Miguel, dem Sohn von Ramóns Frau Paulina, die als Regalauffüllerin im Supermarkt arbeitet. Dass Ramóns "Suche nach der Stille" nicht einfach romantisiert wird, zeigt sich der Rezensentin zufolge daran, dass auch seine Flucht in den Alkohol und die Aggressionen der Dorfbewohner:innen gegen die am Fuße des Plakats lebenden Obdachlosen thematisiert werden. Eine Parabel auf das Leben im kapitalistischen Chile post Pinochet, von der Teutsch durchaus angetan ist.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.04.2024

Eine moderne Parabel über die "hässliche Fratze des Kapitalismus" sieht Rezensentin Stephanie von Oppen im Buch von María José Ferrada. Es geht um den chilenischen Plakatwächter Ramón, der eines Tages beschließt, auf ein Gerüst mit Coca-Cola-Reklame zu ziehen. Wie ein "Säulenheiliger" blickt Ramón nun von den Dächern herab auf die Favelas, schaut in den Himmel, trinkt, und schert sich wenig darum, dass die Stadt ihn von dort oben gerne vertreiben würde, so Ferrada. Besuch bekommt er von seinem Neffen Miguel, aus dessen Perspektive der schmale Roman verfasst ist. Eines Tages kippt die Stimmung in der Stadt: Ramón wird für einen Unfall verantwortlich gemacht - doch die wütende Meute kann den Plakatwächter nirgendwo finden, verrät von Oppen. Die Rezensentin ist voll des Lobes für diese Erzählung "mit mythischen Elementen", die Kritik an kapitalistischen Verhältnissen übt, ohne zu belehren, und deren zwei Hauptfiguren man einfach ins Herz schließen müsse.
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