Iris Radisch äußert sich recht befremdet über diese Memoiren einer RAF-Terroristin "aus der zweiten Reihe", die 1979 aus dem Gefängnis entlassen wurde und heute in Uruguay lebt. Mit Interesse zeichnet sie Schillers Lebensweg nach - aus den engen familiären Verhältnissen hin zur "politischen Romantik" des Terrors. Aber dabei schwärme die Erinnerungsschreiberin noch heute von den aufgeregten Diskussionen mit den Meinhofs und Baaders, denen sie Anfang der siebziger Jahre in ihrer Wohnung Unterschlupf bot, und scheint, so Radisch, immer noch nicht so recht verstanden zu haben, worin das Verbrechen des Terrorismus eigentlich gelegen haben soll. Ausführliche Passagen widme sie den harten Bedingungen ihrer Gefängnishaft, "aber sie bedauert noch immer nicht die Toten".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999
Willi Winkler holt weit aus, um Schiller?s "Lebenbericht aus der RAF", herausgegeben von Jens Mecklenborg, einzuordnen. Er zählt auf, was wir von der ersten RAF-Generation wissen können und woher, erwähnt neben den "brutalen Stummelreden" der Kassiber und den Massen von Gerichtsprotokollen auch die Lebensbeschreibung Inge Viett?s. Winklers Neugier gilt dem "Innenleben der terroristischen Vereinigung", sein Fazit dazu: die Autorin hat "erstaunlich wenig über die RAF mitzuteilen".Die Autorin wird kritisch-mitleidig als Mitläuferin bezeichnet, die - zweimal verhaftet und verurteilt -, hilflos dem grotesken Machotum der Terroristen ebenso ausgeliefert bleibt wie dem strafenden Staat. ?Den Stein meiner Einsamkeit und Verzweiflung am Leben aufheben und ihn gegen seine Ursache werfen?, das habe sie gewollt, zitiert Winkler sie. Herausgekommen ist am Ende eine erst außerhalb Deutschlands gelungene Resozialisierung - in die persönliche Resignation.
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