Aus dem Englischen von Wibke Kuhn. Cluny Brown begeht einen Fauxpas nach dem anderen. Erst nimmt sie ihren Nachmittagstee im Ritz, dann bleibt sie einen ganzen Tag Orangen essend im Bett. Sie weigert sich schlicht, den ihr zugewiesenen gesellschaftlichen Platz einzunehmen. Um sie zur Vernunft zu bringen, schickt ihr Onkel, seines Zeichens Klempner und Erziehungsberechtigter der Waise Cluny Brown, sie als Stubenmädchen in eine aristokratische Familie aufs Land. Auf dem Herrensitz Friars Carmel in Devonshire begegnet Cluny ihren Vorgesetzten Sir Henry, dem Inbegriff eines englischen Landadeligen, und seiner Gattin Lady Carmel, die mit Charme und Souveränität die Geschicke des Anwesens lenkt. Ihr Sohn Andrew lernt derweil in London einen polnischen Schriftsteller kennen und bringt ihn mit nach Friars Carmel, um ihn vor den Gefahren des drohenden Krieges zu schützen. Und dann sind da noch Andrews schöne Freundin und der altmodische Dorfapotheker. Während alle versuchen, mit den Herausforderungen einer sich rasend schnell verändernden Welt Schritt zu halten, bleibt Cluny einfach Cluny und steckt die anderen mit ihrer ungetrübten Lebenslust an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.05.2018
Sylvia Staude scheint Spaß zu haben mit Margery Sharps Heldin, einem erfrischend ungepassten Dienstmädchen im Jahr 1938. Der 1944 erschienene Roman, "hübsch süffisant" übertragen von Wibke Kuhn, unterhält Staude jedenfalls "aufs Geistreichste", ohne soziale Unterschiede und Kriegssorgen auszusparen, wie die Rezensentin erklärt. Der feine Spott in der Darstellung der britischen Aristokratie sowie die "makellose" Sprache tragen zu Staudes Vergnügen bei.
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