Mit Beiträgen von Roald Hoffmann, Evelyn Fox Keller, Jean-Michel Rabate, Mieke Bal. Aus dem Englischen von Rita Seuß und Thomas Wollermann. Was passiert bei der Übertragung mathematischer Formeln in die unscharfe Welt der Wörter? Wer wird angesprochen, und welche Absichten werden verfolgt? Wie kann man wahr und falsch unterscheiden? Roald Hoffmann spricht von der Aufrichtigkeit, die der Forscher dem singulären Gegenstand entgegenzubringen hat, und davon, dass Darstellen und Erzählen, dass "Übersetzen" zur Grundausstattung der menschlichen Welt gehören. Wäre daher die Bevorzugung des Einfachen gegenüber dem Komplexen eine Lüge? Jean-Michel Rabate hält "wahren" Lügen zugute, dass sie Gefühle zur Wahrheit überlisten können. Evelyn Fox Keller stellt fest, dass auch die Wissenschaft voller Metaphern ist: Die Bezeichnungen Atom, Gen, Organismus sind metaphorische Notlösungen. Aber sprachliche Ungenauigkeit und Assoziationen können durchaus zum wissenschaftlichen Erkennen beitragen. Mieke Bal fragt, ob vielleicht Fiktion Fakten überhaupt erst greifbar macht, und untersucht die Ethik des Geschichtenerzählens.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2009
Nicht wirklich zufrieden ist Lino Wirag mit diesem von Margery Arent Safir herausgegebenen Band, der vier Aufsätze über Erzählstrategien und Metaphern in den Wissenschaften versammelt. Die Frage nach dem Verhältnis von Fiktionalität und Faktizität scheint ihm so etwas wie die thematische Klammer, die die verschiedenen Aufsätze zusammenhält. Kurz referiert er die Texte des Bandes: die Gender-Biologin Evelyn Fox Keller befasst sich mit dem Verhältnis von Rhetorik und Wissenschaft, der Literaturkritiker Jean-Michel Rabate schreibt über "Platon, Nietzsche und Hollywood", der Chemie-Nobelpreisträger Roald Hoffmann denkt über die Komplexitätsreduktion wissenschaftlicher Forschung durch erzählerische Unterfütterung nach, und Mieke Bal widmet sich Thomas Manns Josephs-Tetralogie. Die Frage, was es eigentlich bedeutet, dass sich, wie der Band zu zeigen versucht, Forschung erzählen lässt, wird für Wirag nicht so recht beantwortet. Er vermisst den "nötigen, großen Bogen?. Darum bleibt der Band für ihn "trotz virtuoser Detailbeobachtungen enttäuschend?.
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