Nicht nur Kneipen werden in diesem Werk behandelt, die infolge der gesellschaftlichen Aufbruchstimmung nach 1968 in großer Zahl in West-Berlin eröffneten. Nobis' Buch ist mehr noch ein soziokulturelles Gemälde einer Zeit bedeutender Wandlungen, die sich wohl in allen Metropolen der westlichen Hemisphäre so oder so ähnlich vollzogen, aber in der rundherum von Mauern und sehr viel Stacheldraht eingeschlossenen"Frontstadt" ganz besondere Blüten hervorbrachten. Der Autor erinnert also nicht nur an die einschlägigen Szenekneipen mit möglichst exakten Adressen, Zeitangaben ihres Bestehens und ihrem authentischen Publikum, er liefert darüber hinaus ein sittengeschichtliches Panorama zunehmend gelockerter Umgangsformen, sexueller Libertinage, intellektueller und künstlerisch kreativer Umtriebigkeit bis hin zupolitischer Radikalität, wie sie kennzeichnend waren insbesondere für die 70er Jahrein West-Berlin. Ohne die mit unbeschwertem Alkoholkonsum und erheblicher Drogenaffinität einhergehende nächtliche Betriebsamkeit in den einschlägigen Lokalen zu verklären, wird das Bemühen einer Szene junger Menschen nachvollziehbar,etwas Neues und Bahnbrechendes zu entwickeln und auf den Weg in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Dass diese Kneipenszene auch jede Menge schräger Seiten aufwies, wird von Nobis in seinem höchst unterhaltsam geschriebenen Text immer wieder genüsslich aufgespießt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.02.2026
Ein unterhaltsames Buch über Berliner Kneipenkultur zwischen 1968 und 1989 hat Marcel Nobis laut Rezensent Thomas Groß geschrieben. Nobis saß damals selbst gerne am Tresen und rekonstruiert jetzt akribisch die Geschichte von an die 100 Trinklokalen, von Café Hardenberg bis Ex & Pop, auch Polit- und Schwulenkneipen kommen vor. Viel von der bierseligen Atmosphäre der damaligen Zeit bekommt das Buch zu fassen, aber nicht nur das, es ist auch ein Stück Sozialgeschichtsschreibung: Die Kneipen waren, zeigt Nobis, Teil einer gesellschaftlichen Aufbruchsbewegung, die die politischen Ideen der 68er-Generation in die Stadt hinein trugen. Der Alkohol freilich sorgte dafür, dass nicht wenige der Protagonisten unterwegs auf der Strecke blieben. All das ergibt, so der Tenor der positiven Besprechung, ein anregendes Leseerlebnis.
Jede Menge Pinten... Rezensent Tilman Baumgärtel schwelgt gemeinsam mit Autor Marcel Nobis in Erinnerungen an Westberliner Kneipennächte. Das Buch erzählt keine komplette Geschichte der Berliner Trinklokale, sondern konzentriert sich auf Berliner Studentenkneipen ab '68, als da wären: die Tarantel, das Walhalla, Ex & Pop, So 36, aber auch heute unbekanntere wie Mr. Go oder Delirium. Nicht akademisch analysiert werden diese Lokale, vielmehr schreibt hier ein passionierter Kneipengänger, der viel von der damaligen Atmosphäre zu transportieren versteht und außerdem Weisheiten und Anekdoten vieler Tresenbekanntschaften in das Buch einfließen lässt. Hausbesetzerkneipen kommen ein bisschen zu kurz, findet Baumgärtel, der ansonsten jedoch im siebten Himmel schwebt beim Lesen eines Buches, das auch die weniger bekannten Pfade der Berliner Kneipenkultur vergangener Jahrzehnte begeht.
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