Nachdenken und danach handeln ist das Motto des Kulturhistorikers Manfred Wagner. In ungewöhnlich scharfer Form analysiert er den alltäglichen Verbalbrei zum Thema Kunst und Kultur, weist deren historische Wurzeln über den Nationalsozialismus bis zum Nationalismus des 19. Jahrhunderts nach und rechnet mit Parteiprogrammen und Weißbüchern ab. Er zeigt auf, wie sich Bindestrich-Kulturen heute entwickeln und findet zu jener Bedeutung zurück, die Kultur vor dem niederländischen Frühkapitalismus schon einmal hatte. Andererseits bietet er mit seiner Kreativitätsthese ein schlüssiges Modell für die Einschätzung von Kunst und ihren Qualitäten, wobei er auf Widerstände gefaßt ist und deren Hauptargumente wahrscheinlich schon im vorhinein entkräftet. Politik, Kunstszene und Ausstellungswesen, Medieninhalte, Förderungen und Thesenpapiere werden analysiert, künstlerische Arbeiten als Belege für argumentierte Qualitätsfindung herangezogen. Ein Einführungsbuch für alle, die sich intellektuell/praktisch mit Kultur und Kunstmarkt auseinandersetzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2000
Hier hat offensichtlich einer die Nase voll. "Deutliche Worte" habe Wagner in diesem Buch gefunden, schreibt der Rezensent mit dem Kürzel "rox." in einer Kurzkritik. Glaubt man den Darlegungen des Rezensenten, so spießt hier einer den inflationären Umgang mit dem Begriff der Kunst und der Kultur auf, die zu grauenhaften Wortbildungen wie "Konsum-" oder "Body-Kultur" führen, und begründet, warum er dieses "Kulturgeschwätz" nicht mehr hören mag. Am Ende vermerkt de Rezensent, dass Wagner eine Rückkehr zum Kulturbegriff der Zeit vor1800 fordert (als Kultur noch Sorge und Pflege hieß) und dass er die Erziehung dringend reformieren will.
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