Berliner Wissenschaftsverlag (BWV), Berlin 2026
ISBN
9783830556688 Broschiert, 336 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Die Ukraine widersetzt sich seit vier Jahren Russlands Großangriff. Der Krieg durchdringt alle Poren der Gesellschaft. Sie muss die Ressourcen für die Verteidigung an der Front und für den Rüstungswettlauf aufbringen, die Wirtschaft aufrecht erhalten und die täglichen Luftangriffe aushalten. Der Krieg beschleunigt den demographischen Niedergang und führt zu Verarmung. Ohne finanzielle Hilfe aus dem Ausland kann das Land nicht überleben. Doch die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Selbstorganisation und zur Aufrechterhaltung des Widerstands ist ungebrochen. Dies ist auf das Selbstverständnis vieler Ukrainer als eigenverantwortliche citoyens zurückzuführen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.06.2026
Rezensent Christian Thomas ist ein Fan der Zeitschrift "Osteuropa", die sich deutlich von der Ukraine-Ignoranz abhebt, die in Deutschland lange vorherrschte und dazu führte, dass landauf landab Kreml-Propaganda nachgebetet wurde. Das neue Heft beschäftigt sich unter anderem mit historischen Herleitungen des aktuellen Konflikts mit dem aggressiven russischen Nachbarn. Besonders interessiert sich Thomas für einen Text des Historikers Yraolslav Hrytsak, der die gängige Rede über eine zwischen West und Ost zerrissene ukrainische Nation zurückweist; vielmehr vereint die Ukraine schon seit langem multiple Identitäten in sich. Ebenfalls lesenswert sind, zum Beispiel, Stefan Hassels Ausführungen über russische Attacken auf die ukrainische Eisenbahn, oder András Rácz Gedanken dazu, weshalb die Ukraine im Rüstungswettlauf mit Russland keineswegs aufgeben darf. Auch die internen Schwierigkeiten der keineswegs perfekten Demokratie im Land werden thematisiert, wobei Mariia Tsaturian aufzeigt, dass es in der ukrainischen Politik durchaus Bestrebungen gibt, der grassierenden Korruption beizukommen. Insgesamt, so Thomas, zeichnet dieses Heft das Bild eines Landes, das vom Krieg zermürbt ist und dennoch nicht daran denkt, aufzugeben.
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