Klappentext
Unsere Lebensumstände haben sich massiv gewandelt: Immer mehr Menschen leben allein, Soziale Medien und digitale Kontakte werden immer wichtiger. Aber sind wir heute wirklich einsamer - oder reden wir nur mehr darüber? Die Psychologieprofessorin Maike Luhmann hat über zehn Jahre lang zu Einsamkeit geforscht. In diesem Buch fasst sie den Stand der Wissenschaft zugänglich zusammen. Sie beleuchtet, was uns einsamer macht, wann es gefährlich wird und was wir brauchen, um uns und andere vor chronischer Einsamkeit zu schützen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.04.2026
Ein lesenswertes Buch über Einsamkeit hat Maike Luhmann geschrieben, findet Rezensentin Susanne Billig. Die Soziologin unterscheidet verschiedene Formen von Einsamkeit und stellt klar, diese in unserer Gegenwart keineswegs besonders weit verbreitet ist - insbesondere ältere Menschen sind sogar weniger einsam als früher, eine grassierende "Einsamkeitsepidemie" gibt es also, wie sonst oft behauptet, nicht, lernt die Kritikerin. Dennoch gibt es Phänomene wie die "Einsamkeitsspirale", die dafür sorgen, dass Menschen, die sich einsam fühlen, sich zusätzlich selbst isolieren. Auch könnten Entwicklungen wie der Klimawandel laut Luhmann in Zukunft Einsamkeit verstärken, lesen wir. Billig schätzt, wie hier mit wissenschaftlichen Methoden, gängige Klischees über Einsamkeit aufgebrochen werde.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2026
Interessante Erkenntnisse über Einsamkeit zieht Rezensent Jens Jessen aus Maike Luhmanns Buch. Die zentrale: Gar so einsam wie die Konjunktur des Themas im Diskurs es vermuten lässt, sind wir unter Umständen gar nicht. Die angenehm geschmeidig und nüchtern geschriebene wissenschaftliche Studie der Psychologieprofessorin nimmt sich die empirischen Daten vor und stellt fest, dass viele Vorurteile, etwa über Alterseinsamkeit oder die Rolle des Internets als Einsamkeitstreiber, von den Daten nicht gedeckt sind. Auch Corona brachte höchstens einen sehr kurzen Einsamkeitsschub, der sich schon kurz danach wieder erledigt hatte. Lediglich in biografischen Extremsituationen, also wenn es einem eh schon schlecht geht, gibt es laut Luhmann ein Einsamkeitsproblem. Wobei sie auch anmerkt, dass man immer mitbedenken muss, dass Einsamkeit in erster Linie eine subjektive, keine objektive Kategorie ist. All dies findet Jessen ziemlich erhellend, gerade auch im Vergleich mit anderen aktuellen Büchern über die Einsamkeit, etwa von Daniel Haas und Daniel Schreiber, die sich dem Thema eher erzählerisch nähern und dabei in die Gefahr geraten, in der Aufarbeitung ihrer "Privatmisere" lediglich einen schon lange existierenden Einsamkeitsdiskurs zu reproduzieren.
Buch in der Debatte
Kommentieren

