Die Wurzeln des Faschismus liegen in der radikalen Linken am Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine führenden Theoretiker waren ganz überwiegend "rechte Leute von links", die aus dem revolutionären Syndikalismus hervorgegangen waren. Der israelische Politikwissenschaftler Zeev Sternhell untersucht mit dieser theoriegeschichtlichen Studie die Bedeutung der revolutionären Ideologie für die Entstehung des Faschismus. In einer Auswertung zeitgenössischer französischer, italienischer und deutscher Quellen zeigt Sternhell den gemeinsamen theoretischen Kern der später feindlichen Brüder.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999
Stefan Breuer stellt seiner Rezension die Frage voran, ob eine faschistische Partei in ihrem Wesen eher einer Weltanschauungs- oder Patronagepartei entspricht. Anders als Sternhell und seine Mitarbeiter plädiert er selbst dafür, dass es sich um Letzteres handelt (räumt aber ein, dass mit diesem Buch einer der "bedeutendsten Versuche" für die These einer Weltanschauungspartei vorliegt). Denn Patronageparteien zeichneten sich durch die typische Inkohärenz und den Opportunismus aus, durch den "ideologischen Supermarkt", in dem sich die ideologischen Führer ganz nach aktuellem Bedarf bedienten. So merkt Breuer denn auch an, dass der antimaterialistische Revisionismus nicht notwendigerweise im Faschismus mündete, sondern dies nur dort geschah, wo wesentliche Punkte des Syndikalismus aufgegeben worden waren. Darüber hinaus findet er, dass Sternhell den Zustrom zu faschistischen Parteien aus dem rechten Spektrum zu wenig berücksichtigt hat. Allerdings lobt er die ausführlichen Informationen über Sorel und den Sorelianismus und auch über solche Themen wie politische Frontwechsler: "Dies alles geschieht auf so kundige und profunde Weise, dass das Buch aus der Diskussion über den Faschismus nicht wegzudenken sein wird."
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