Madame Nielsen

Das Zeitgeisterhaus

Eine deutsche Geschichte. Roman
Cover: Das Zeitgeisterhaus
Alexander Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783895816543
Gebunden, 136 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Eine Künstlerin "aus dem hohen, fremden Norden" wird nach Deutschland eingeladen, um an einem "altehrwürdigen Gesamtkunstwerkhaus" ihre Show auf die Bühne zu bringen. Was als vielversprechende künstlerische Zusammenarbeit beginnt - "im inspiriert Guten und gelegentlich im streitbar uninspiriert Schlechten" -, entwickelt sich schnell zum Kulturkonflikt. Statt das Richtige mit den richtigen Worten zu sagen, tut unsere prominente Künstlerin etwas, das man in diesem Land nicht tun darf - und prompt schlägt der unisone Zeitgeist in einen vielstimmigen Chor von Kränkungsvorwürfen gegen sie um. Am Ende muss sie das Haus verlassen. Dennoch versucht die "Täterin" zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, und was hier - in diesem Theater, in diesem Land, in dieser Geschichte, in dieser Zeit - eigentlich vor sich geht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2026

Bei dem neuen Roman von Madame Nielsen hat Rezensent Stephan Opitz ziemlich viel Spaß: Auf "satt ironisch angereichertem Fond" steht die Geschichte einer dänischen Performance-Künstlerin, die einen Gastvertrag mit einem deutschen Theater hat, bei dem es dann zu großem Krach kommt. Von nicht gewaschenen Unterhosen bis Krankenversicherungsproblemen reichen die Ärgernisse, die dazu führen, dass die Künstlerin, die unter dem Namen Milady auftritt, den Hitlergruß macht und ihr Vertrag aufgelöst wird. Die "interkulturellen Kommunikationsprobleme" zwischen Deutschland und Skandinavien sind für Opitz tatsächlich weniger relevant, spannender findet er, wie Milady hier als durchgedrehte narzisstische Künstlerinnenpersona gezeichnet und in dieser Selbstüberhöhung entlarvt wird. Dass Madame Nielsen 2024 an den Münchner Kammerspielen verpflichtet war, lässt Opitz darauf schließen, dass nicht alles erfunden sein muss.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2026

Rezensent Tobias Sedlmaier plaudert mit Madame Nielsen, die früher Claus-Beck-Nielsen hieß, und bespricht nebenbei ihr neues Buch. Das basiert lose auf Selbsterlebtem, ist aber nicht im strengen Sinn autofiktional, stattdessen wählt Nielsen eine parabelhafte Form, die darauf abzielt, etwas sichtbar zu machen am deutschen Umgang mit Kultur im Allgemeinen. Konkret geht es um eine Künstlerin, die nach einer von ihr gestalteten Show in Deutschland mit einem Bühnenmitarbeiter in Konflikt gerät, daraufhin als ironische Geste der Empörung den Hitlergruß zeigt, woraufhin ihre Show gecancelt wird. Nielsen zielt mit diesem Buch nicht auf Boulevard und Krawall, stellt Sedlmaier klar, sondern möchte in einer mehrstimmigen Darstellung, die nicht nur der gekränkten Künstlerin, sondern auch der "Gegenseite" das Wort erteilt, Empörungsmechanismen offenlegen. Sedlmaier fühlt sich an jüngere Theaterskandale in Bochum und Hamburg erinnert und scheint Nielsens Buch insgesamt mit Gewinn gelesen zu haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.03.2026

Rezensent Claudius Seidl sucht nach authentischen Vorbildern für Madame Nielsens Roman und die Protagonistin, eine laut Seidl mutmaßlich "semifiktionale" Figur, eine Theaterautorin, die an einem bekannten Theater einen Skandal verursacht. Fündig wird er bei Nielsens Engagement an den Münchner Kammerspielen, und auch Milo Raus Thalia-Skandal fällt ihm ein. Allerdings spielt das alles auch keine so große Rolle, gibt Seidl zu. Vielmehr geht es um "Kunst als Zumutung", von der Autorin im Text vielstimmig in Szene gesetzt. Für Seidl in vielerlei Hinsicht offenbar ein durchaus anregendes Buch. 

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