Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann. Carolina, überforderte Mutter eines Babys, bekommt eines Tages von ihrem Lebensgefährten Aksel eine Mail. Betreff: Falls ich sterbe. Der Inhalt ist eine detaillierte Auflistung seiner Passwörter und anderer praktischer Dinge für den Fall seines Ablebens. Carolina ist empört, schließlich sind sie beide Anfang dreißig. Fünf Monate später ist Aksel tot, über Nacht an einem Herzanfall gestorben. In zwei gegenläufigen Erzählungen berichtet Carolina, wie sie Aksel kennenlernt und sogleich treibende Kraft in der Beziehung wird. Nichts geht ihr schnell genug. Als das Kind geboren wird, ist die Beziehung unter Spannung. Doch dann stirbt Aksel. Was passiert, wenn das Unfassbare eintritt?
Kolja Unger ist gebannt von Carolina Setterwalls auf zwei Erzählstränge aufgeteilte und doch untrennbare Geschichte einer Beziehung. Unger erläutert: Erzählt die Autorin auf der einen Seite von ihrer Ungeduld angesichts einer nur langsam sich entfaltenden Liebesbeziehung, berichtet sie andererseits vom plötzlichen Tod des Partners und den Folgen: Passivität, Schuldgefühle, Depression. Der autofiktionale Roman überzeugt Unger weniger durch besondere Kunstfertigkeit als durch eine "ausdrucksstarke" Innensicht und das Gefühl, echten Emotionen zu begegnen. Auch bezwingend für den Rezensenten: Liebes- und Trauergeschichte scheinen einander zu bedingen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.07.2021
Rezensentin Sophie Wennerscheid bedauert sehr, dass Carolina Setterwall für ihren Text nicht die richtige Stimme gefunden hat. Die um den plötzlichen Tod des Partners sich drehende, zwischen verschiedenen Zeitebenen springende Liebes- und Leidensgeschichte hätte das allemal verdient, findet die Rezensentin. Der drängende, nüchterne Duktus der knappen Kapitel, das Präsens und die Ansprache des Verschiedenen suggerieren laut Wennerscheid zwar Nähe, der Leser aber verharrt dennoch mehr oder weniger an der Oberfläche, meint sie, das ausgestellte Leiden "berührt nicht". Die Rezensentin erwartet mehr von Literatur, eine weitere Perspektive, Zwischentöne, eine Metaebene.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…