Lydia Davis

Kanns nicht und wills nicht

Stories
Cover: Kanns nicht und wills nicht
Droschl Verlag, Graz 2014
ISBN 9783854209553
Gebunden, 304 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Klaus Hoffer. Die Erzählungen von Lydia Davis sind manchmal buchstäbliche Einzeiler; oder es sind lange geduldige Beobachtungen von Kühen im Laufe eines Winters vom Küchenfenster eines Landhauses aus. Ihre Stories können aber auch Träume sein, Beschwerdebriefe (an Tiefkühlerbsenproduzenten oder Autoren von Buchhändler-Werbebroschüren) oder Geschichten, die aus den Briefen Flauberts kondensiert wurden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.05.2015

Lydia Davis galt lange Zeit als Geheimtipp unter Schriftstellern, weiß Sabine Vogel, wenigstens bis sie 2013 mit dem Booker-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Ihre Stories sind schnörkellos, minimalistisch auf der dramaturgischen wie der stilistischen Ebene, erklärt die Rezensentin, aber sie sind bis auf die letzte Silbe abgewogen und unfassbar präzise. In "Kanns nicht und wills nicht" sind einhundertdreiundzwanzig Miniaturen versammelt, die scheinbar mühelos ein ganzes Leben auf wenige Seiten verdichten, die genau die Mitte der Person zu erwischen scheinen, auch wenn eigentlich gar nicht viel passiert, berichtet Vogel begeistert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2015

Die Schnipsel in Lydia Davis' "Kanns nicht und wills nicht" können disparat wirken, weiß Jan Wiele, wer aber länger hinsieht, bekommt das Gefühl eines kleinteiligen, unverfugten Mosaiks, das dennoch ein Bild darstellt: das mehr oder weniger zutreffende Bild einer dezent neurotischen Autorin, die durch Verdichtung versucht, eine neue "Stufe des Künstlerromans nach der Krise des Erzählens" zu erhaschen, erklärt der Rezensent. Das Ergebnis könnte ebenso gut als Lyrik aufgefasst werden, findet Wiele, klassische Erzählungen wird man jedenfalls vergeblich suchen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 01.11.2014

Cool findet Klaus Nüchtern diese Storys, humorvoll und angenehm unaufdringlich. Das liegt für Nüchtern weniger an ihrer Kürze (manche sind bloß wenige Zeilen lang), als an ihrer Prägnanz, um die es der Autorin Lydia Davis laut Rezensent vor allem zu tun ist. Kein prononciertes Abheben auf Leerstellen-Literatur oder Lakonie, nein, einfach diskret seien die Texte, findet Nüchtern und meint damit den ursprünglichen Sinn des Wortes, "unterscheidend" also. Das bedeutet wiederum, dass die Autorin von Katzen und Kühen zu erzählen vermag, ohne mystifizierend zu werden. Was eine Kuh ausmacht, wird hier einfach registriert, erklärt Nüchtern, aber so einfach ist das eben gar nicht, gibt er zu verstehen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.10.2014

Rezensentin Fatma Aydemir im allergrößten literarischen Glück: 123 Kurzgeschichten der als amerikanische Proust- und Flaubert-Übersetzerin bekannten, im eigenen Schaffen aber, von einem einzigen Roman abgesehen, mit der kurzen bis kürzesten Form Vorlieb nehmenden Autorin finden sich hier versammelt. Die Kritikerin erklärt: Davis schreibt nicht nur unkonventionell - einige Storys bestehen lediglich aus Listen, die meisten sind nicht länger als eine Seite, manche umfassen nur einen einzigen Satz -, sondern auch sprachlich äußerst bedacht. Und meist geht es weniger um situative und psychologische Grundierungen und schon gar nicht um große Sinnfragen: Im Mittelpunkt dieser "Alltagsminiaturen" steht meist "das Banale, Unbeachtete, Nebensächliche im Leben", und überdies legt Davis zuweilen einen bestimmenden Fokus auf nebensächliche Aspekte, dass das große Bild einer Geschichte oft im Unklaren bleibe, freut sich die Kritikerin. Auf Bonmots oder Metaphernreichtum darf man also zwar nicht hoffen, warnt Aydemir, doch der Freude ist damit kein Schaden getan, zumal auch die deutsche Übersetzung von Klaus Hoffer im Rahmen des Möglichen im Fall einer so sprachsensiblen Autorin sehr umsichtig geraten ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014

Den Band mit neuer Kurzprosa der amerikanischen Autorin Lydia Davis hat Angela Schader mit Spannung erwartet. Wie sich die Davis' Suche nach formal und inhaltlich Neuem wohl hier niederschlägt? In den rund 122 Stücken des Bandes erweist sich die Autorin laut Schader als Meisterin der kurzen Form. Wenn sie etwa Flauberts Korrespondenz Geschichten entnimmt, rafft, anreichert und neu ordnet, oder sich fremde Träume aneignet, um daraus leichthändig und mit Sinn für Pointen das Gespenstische und Skurrile zu destillieren, fühlt sich Schader mitunter in surreale Welten versetzt und mit der "komisch-schauerlichen" Essenz menschlicher Existenz konfrontiert. Für Schader ein köstliches Vergnügen.
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