Lyall Watson

Der Duft der Verführung

Das unbewußte Riechen und die Macht der Lockstoffe
Cover: Der Duft der Verführung
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783100894069
Gebunden, 284 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Yvonne Badal. Warum entscheiden oft Sekunden darüber, dass wir manche Menschen unwiderstehlich finden und andere nicht riechen können? Warum erinnert uns der Duft eines bestimmten Parfums an eine verflossene Liebe? Und warum haben wir für manche Dinge buchstäblich den richtigen Riecher, eine Art "sechsten Sinn"? Jüngsten Forschungen zufolge besitzen wir seit Urzeiten das sogenannte Jacobson- oder vomeronasale Organ, das für diese instinktive Wahrnehmung, das unbewusste Riechen von luftgetragenen Botenstoffen, den Pheromonen, zuständig ist. Lyall Watson geht dieser revolutionären Entdeckung nach und untersucht die Rolle, die diese Lockstoffe in unserem Leben, im Tierreich und in der Botanik spielen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.04.2001

Das eine Buch ist etwas deftiger, das andere spekuliert mit erhobener Nasenspitze: Sabine Sütterlin bespricht zwei neuere Bücher zur Geschichte des Riechens und unseres Riechorgans.
1) Lyall Watson: "Der Duft der Verführung"
Nicht alles an diesem Buch des südafrikanischen Naturwissenschaftlers gefällt Sütterlin: sie vermutet einige Ungereimtheiten und Holprigkeiten bei der Übersetzung; sie findet den Übereifer des Autors etwas anstrengend, zumal er nicht gleich zur Sache kommt; das gleiche gilt für seine gelegentlichen literarischen Anflüge. Außerdem bewegt sich der Autor in spekulativen Gefilden, da er eine neue wissenschaftliche Entdeckung kolportiert - die Entdeckung des sogenannten Jacobson-Organs, einer zusätzlichen Riechschleimhaut an der Nasenscheidewand -, aber gerade die Spekulationen des Autors über einen verschütteten und weg-desoderierten "sechsten Sinn" machen das Buch in Sütterlins Augen wiederum interessant. Wer jedoch einfach eine gut geschriebene Kulturgeschichte des Riechens lesen möchte - in der jene jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht auftauchen -, den verweist die Rezensentin auf "Die schöne Macht der Sinne" von Diane Ackerman.
2) Ingelore Ebberfeld: "Körperdüfte - Erotische Geruchserinnerungen"
Unser Geruchssinn spielt bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle. Nicht diese These, mit der im übrigen auch Lyall Watson einverstanden wäre, ist nach Sütterlin neu, sondern der von der Autorin gewählte Ansatz. Die Bremer Kulturwissenschaftlerin befragte nämlich für ihr Buch über 100 Menschen aller Altersstufen zum Thema Geruch und Erotik, was sich als eine "ergötzlich zu lesende, klug kommentierte Anthologie der Vorlieben und Abneigungen" erweist, so Sütterlin. Regelrechte Geruchsphantasien tauchten in den Interviews auf, meint Sütterlin, die unsere Wahrnehmung für eine fast verlorene Geruchswelt jenseits von Körpersprays und Waschzwängen schärfen können. Und nicht automatisch führe Schweißgeruch zu körperlicher Ablehnung - beim richtigen Partner kann das durchaus auch stimulierend wirken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2001

Nach Regine Halentz weckt dieses Buch Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Insgesamt erfahre der Leser nur wenig darüber, wieso man "manche Menschen nicht riechen kann", und wenn man denn doch etwas erfahre, dann seien diese Informationen nicht unbedingt neu. So war der Rezensentin bereits bekannt, dass das Jacobsonsche Organ im Gehirn für das Riechen verantwortlich ist. Darüber hinaus moniert die Rezensentin die vielen Wiederholungen in diesem Band und den ihrer Ansicht nach nicht gelungenen Aufbau. Dass man als Leser das Buch nicht sofort beiseite legt, begründet sie damit, dass zu Anfang eine durchaus "amüsante Geschichte des Geruchssinns" und eine Kulturgeschichte des Parfums geboten wird, auch wenn diese "stellenweise leider albern" ausgefallen sei. Insgesamt kommt Halentz zu dem Schluss, dass man über die Pheromone wesentlich mehr erfährt, wenn man diesen Begriff in die Suchmaschine des world wide webs eingibt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Etwas konfus bespricht Rolf-Bernhard Essig das Buch des Biologen Lyall Watson, das "faktenprall, anschaulich und launig" durch die Evolutionsgeschichte des Riechens führe. Allerdings ist, was Essig rezensiert, nichts wirklich Neues. Weder dass körpereigene Lockstoffe im Zuge der Zivilisation durch körperfremde ersetzt worden sind, noch dass der Mensch von unterschwelligen Geruchsbotschaften manipuliert wird, lässt auf besondere Einsichten hoffen. Verdächtig stimmt auch, dass Essig den Autor als "kenntnisreichen Enthusiasten mit Talent zur Popularisierung" bezeichnet. Der Autor beschreibe ein "world wide web" des Riechens, das auch dem Leser zugänglich sei. Wenn Lyall aber die Geruchssysteme mit Philosophie, eigenen Erfahrungen und Kriegspropaganda vermischt, wird die Lektüre zum Ärgernis, so Essig. Auch würden Satzfehler, fehlerhafte Erklärungen des Autors und Fehler in der Übersetzung die Lektüre nicht einfacher machen.
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