Herausgegeben von Meike Feßmann, Axel Ruckaberle, Michael Scheffel und Peer Trilcke. Lutz Seiler gehört seit mehr als 25 Jahren zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sein Lyrik, Essay, Prosa und Roman umfassendes Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach mit Preisen gewürdigt - ein Höhepunkt war 2023 der Georg- Büchner-Preis. Seilers Gedichte sondieren auf eindringliche Weise die Herkunftswelt der zwischen thüringischen Uran-Abraumhalden verbrachten Kindheit. Seine Erzählungen und Romane entwerfen zeithistorisch verankerte und doch stark literarisierte und poetisch aufgeladene Figuren, die die späten Jahre der DDR, den gesellschaftlichen Umbruch von 1989 und dessen Folgen erlebbar machen und reflektieren.Die Beiträge des Heftes untersuchen die vielfältigen Aspekte des Werks, sie nehmen die Spuren der Lyrik im Roman in den Blick, beleuchten lyrische Leitmotive, interessieren sich für Dinge, Geräte und Apparaturen sowie für die literarische Wirkung der Radioaktivität und gehen dem französischen und amerikanischen Traum von Seilers Romanfiguren nach. Das Heft enthält einen noch unveröffentlichten Auszug aus einem neuen Roman.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2025
Den neuen Band der Reihe "Text+Kritik" preist Rezensent Jan Wiele als ungemein erhellenden Zugang zu Lutz Seilers Werk und Arbeitsweise. Besonders eindrücklich sind Seilers eigene Aussagen über sein Schreiben: "Überarbeitet wird endlos", "zwanzig Fassungen sind keine Seltenheit", der Text müsse seine "Kindgestalt" und "naive Energie" bewahren, lesen wir. Der Band verbindet Interviews, Essays und Textproben auf knapp hundert Seiten zu einer lebendigen Werkstattansicht. Analysen zu den Romanen zeigen sie zugleich als Zeitgeschichte und "Geschichte der Lyrik", vom George-Kreis bis zur Prenzlauer-Berg-Szene kurz vor 1990, mit der Diagnose einer "Unlust" an der Poesie nach dem Ende der Utopie, so der Kritiker. Weitere Beiträge beleuchten den "poetischen Wald", die "Strahlungsfühligkeit" und die märchenhafte Dimension dieses Werks. Insgesamt ein klug komponiertes, hoch anregendes Lesebuch für alle, die Seiler verstehen wollen, lobt der Kritiker.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…