Aus dem Amerikanischen von Pascale Mayer. Im Sommer 1953 wird Henry G. Molaison, der schon seit vielen Jahren an heftigen epileptischen Anfällen leidet, im Alter von 27 Jahren von dem Chirurgen William Scoville operiert. Scoville möchte mit der Entnahme von zwei Dritteln des Hippocampus die Epilepsie heilen. Nach der Operation leidet Molaison bis zu seinem Tod 2008 stattdessen an schwerer Amnesie. Durch seine besondere Erinnerungsschädigung wird "Patient H. M.", wie man ihn fortan nennt, zu einem hochbegehrten "Versuchskaninchen" für die Disziplinen Gedächtnisforschung und Neuropsychologie - und zum am intensivsten untersuchten Forschungsobjekt aller Zeiten. Dies ist seine Geschichte und gleichzeitig die Geschichte des Chirurgen Scoville.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.01.2019
Luke Dittrich packt ein unheimliches, aber packendes Thema an: das Wüten der frühen Neurochirurgie, schreibt Rezensentin Susanne Billig. Dittrichs Großvater war es, der dem Patienten "H.M." einen Teil des Hirns entnahm und ihn wegen des folgenden kompletten Gedächtnisverlustes zu einem der berühmtesten Patienten der Medizingeschichte machte. Grauenhaft war das Wüten der damals noch völlig ahnungslosen Disziplin, erläutert Billig. Vor allem in psychiatrischen Kliniken wurden an völlig rechtlosen Patienten gravierende Eingriffe vorgenommen. Dittrich erzählt es als Roman, packend und elegant, so die Rezensentin. Und doch stört sie sich an der Fiktionalisierung, weil sie nun nicht mehr genau weiß, was Dichtung und was Wahrheit ist. Am Ende bleibt dennoch eine Leseempfehlung.
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