Lukas Bärfuss

Koala

Roman
Cover: Koala
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783835306530
Gebunden, 220 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Ein ganz gewöhnlicher Mensch, sein ganz gewöhnliches Leben und sein ganz gewöhnliches Ende. Aber nichts an dieser Geschichte in Lukas Bärfuss' neuem Roman will uns gewöhnlich scheinen. Denn das erzählte Ende ist ein Suizid, und der ihn verübt hat, ist sein Bruder. Bärfuss spürt dem Schicksal des Bruders nach, über das er zunächst wenig weiß. Und er begegnet einem großen Schweigen. Das Thema scheint von einem großen Tabu umstellt. Und von einem Geheimnis. Warum nannten seine Freunde ihn Koala? Wie kam er zu diesem Namen? Und hat vielleicht der Name gar das Schicksal des Bruders mitbestimmt; wird ein Mensch seinem Namen ähnlich? Die Geschichte der Tierart in Australien, die heute vor der Ausrottung steht, gerät in den Blick des Autors, und so ist das Buch auch eine Natur-Geschichte über den Umgang des Menschen mit dem anderen Menschen, mit dem Tier, mit Gewalt überhaupt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.04.2014

Jens Bisky hat entschieden etwas gegen den zivilisationskritischen Erklärungstrieb des Autors, der ihm mehr als einmal in diesem Buch, das den Selbstmord von Lukas Bärfuss' Bruder behandelt, das schöne Schweben des Textes zwischen Natur- und Zivilisationsgeschichte vergällt. Etwa wenn der Autor laut Bisky hinreißend prägnant von den Koalas berichtet (der Pfadfinder-Name des Bruders). Die Passagen des Buches, kaum ein Roman, meint Bisky, eher ein Essay, in denen von der Wut und der Trauer des Autors berichtet wird, hält der Rezensent hingegen für unantastbar, weil allzu privat. Die unabgeschlossene Dreiteiligekeit des Buches scheint ihm dem Thema angemessen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2014

Mit einem kleinen Seitenhieb auf Sibylle Lewitscharoff, deren nassforsche Anmerkungen zu Kleist und Büchner bei den nach diesen Autoren benannten Reden nach der "Halbwesen"-Debatte in ihrer ganzen dummen Blöße dastehen, widmet sich Rezensent Alexander Kosenina ernsthaft und mit Sympathie Lukas Bärfuß' Roman über den Selbstmord, der dem Rezensenten mehr wie eine Meditation zum Thema erscheint. Die Anlage des Buchs sei komplex, der Ich-Erzähler vom Anfang, der vom Selbstmord seines Bruders erzählt, verschwindet und taucht erst am Ende wieder auf. Es gibt einen Exkurs über die Kolonisierung Australiens - all dies scheint Kosenina aber beherrscht und litierarisch von Rang, denn "was erst zusammenhanglos scheint, entfaltet nach und nach seinen Sinn". Kosenina bewundert besonders, wie Bärfuß am Ende des Romans die Erzählebenen zu einer höheren Einheit fügt und mit seinen Einsichten zum Thema Selbstmord verknüpft.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2014

Für Ina Hartwig ist Enttäuschung schon allein deshalb vorprogrammiert, weil sie den Vorgängerroman "Hundert Tage" des Schweizer Autors Lukas Bärfuss so berührend und faszinierend fand. Dass "Koala" da nicht mithalten kann, hat sie schon erwartet, aber die Spurensuche des Erzählers nach dem Leben seines Bruders, der sich umbracht, hat sie auch für sich genommen nicht überzeugt. Denn vom Namen "Koala", den der Bruder einst von seiner Pfadfindergruppe bekommen hatte, leitet der Erzähler nicht nur dessen Eigenschaften mit seiner Faulheit und der Verweigerung eines typischen bürgerlichen Lebensentwurfs mit Beruf und Familie ab. Der Autor belehrt auch noch mit einer Geschichte des Selbstmords und fügt am Ende - für die Rezensentin ziemlich unvermittelt - eine ausgreifende historische Betrachtung der Kolonialgeschichte Australiens an, inklusive Details zur Koalabärenjagd und -aufzucht. Warum man das alles lesen soll, versteht Hartwig nicht, die spätestens im australischen Dschungel den "Überblick" über diese ausufernde Spurensuche verloren hat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2014

Das Buch lässt den Rezensenten verwirrt zurück. Im Grunde so, wie den Erzähler der Selbstmord des Bruders - ein Skandal, unverständlich, aufreibend. Das ist ungefähr die Stimmung, die dem Buch zugrunde liegt, wenn wir Roman Bucheli folgen wollen. Der Autor Lukas Bärfuss versucht darin, dem Tod des Bruders auf die Schliche zu kommen. Dass es nicht gelingt, liegt wohl in der Natur der Sache. Dass das Buch, kein Roman, wie Bucheli erklärt, in Teilen misslingt, liegt für den Rezensenten vor allem daran, dass der Autor dem Leser keinen Imaginationsraum eröffnet. Er umkreist den Brudertod, erkundet das Phänomen des Freitods historisch und sucht laut Bucheli sehr umständlich und sprachlich grobfühlig nach Erklärungen. Leider sind die Ausschweifungen für den Rezensenten allzu exzessiv, erklärt der Autor doch jede seiner erzählerischen Wendungen, beantwortet, mitunter plakativ, jede Frage. Vielleicht ja gerade, weil er die eine nicht zu beantworten vermag.
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