Ludwig Tieck

Der Bayersche Hiesel

Cover: Der Bayersche Hiesel
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783458347774
Kartoniert, 188 Seiten, 7,50 EUR

Klappentext

Die erste Biografie über den berühmten "Bayrischen Hiasl", den Wildschütz und Rebellen Mathias Klostermayr, erschien 1772. Der Bedarf an wahren und zugleich schaurigen Geschichten war groß, der Hiasl galt als ein großer Held der kleinen Leute. So erhielt knapp zwanzig Jahre später der junge Ludwig Tieck den Auftrag, diese anonym erschienene Hiasl-Biographie umzuschreiben. Aktueller, näher an den unruhigen Zeiten, besser zu lesen sollte die Lebensgeschichte des legendären Wildschützen sein. Mit zupackendem, politisch wachem Geist sortiert er den Stoff neu und stellt ihn auf höchst lebendige Weise dar. Die vorliege Ausgabe ist die erste Veröffentlichung des Tieckschen Textes seit über 200 Jahren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2005

Ludwig Tieck ging beim Vielschreiber und Trivialautor ("Erwerbssudler") Friedrich Eberhard Rambach in die Lehre, und zu seinen Gesellenstücken gehören Kapitel von "Mathias Klostermayr oder der Bayersche Hiesel". In dieser fiktionalen Lebensbeschreibung werden die Taten und Untaten eines gegen die Obrigkeiten rebellierenden und darum von den Bauern seiner Umgebung bewunderten bayerischen Wilderers (1736-1771) verherrlicht, ganz im Einklang mit des Zeitalters Begeisterung für die Gestalt des Räubers - von Schillers Erstlingsdrama bis hin zum sensationell verkauften "Rinaldo Rinaldini" von Goethes Schwager August Vulpius. Viel wurde in der Folge in Germanistenkreisen gewettert gegen diese Broterwerbsnichtkunst, die Tieck auszuüben hatte. Nicht ganz zurecht aber, wie, nach Arno Schmidt, der auf dem Standpunkt stand, dass, wer vom Schreiben leben will, sein Handwerk nicht früh genug erlernen könne, nun auch Thomas Meissner befindet. Es zeigt sich, stellt der Rezensent klar, wie Tieck "schon jung virtuos mit literarischen Vorlagen umzugehen" vermochte. Auch die Bandbreite seines Ausdrucksvermögens wird, so Meissner, offenbar. Insofern findet der Rezensent es ganz offensichtlich doch begrüßenswert, dass die Herausgeber Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz diese frühe Schrift des Romantikers wieder zugänglich gemacht haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.04.2005

Die Tatsache, dass zwischen der letzten Veröffentlichung der Tieckschen Erzählung "Der bayersche Hiesel" und der jetzt im Insel Verlag erschienenen Neuausgabe über zweihundert Jahre liegen, zeugt von der geringen Aufmerksamkeit, die diesem frühen Text Ludwig Tiecks bisher zuteil geworden ist, meint Rezensent Hermann Unterstöger. Falls sich dies nun nicht ändern sollte, werde man es ganz gewiss nicht der Arbeit der Herausgeber Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz anlasten können, die sich in ihrem "klugen" Nachwort als "Kenner des Räuberwesens und bewährte Fährtensucher im literarischen Unterholz" erweisen, wie der Rezensent neidlos anerkennt. Auch vom jungen Tieck selbst zeigt sich Unterstöger angetan, wenn er sagt, dass man bereits hier "jenes Talent aufblitzen sieht, das später so gewaltig erstrahlen sollte".
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