Kurt Andreae (Hg.)

Das Stammbuch der Marianne von Willemer

Cover: Das Stammbuch der Marianne von Willemer
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783458173236
Loseblatt-Sammlung, 191 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen farbigen Illustrationen und Faksimile. Mitarbeit von Marianne Küffner. Kunsthistorische Bearbeitung von Gerhard Kölsch. Mit den Suleika-Gedichten, die Goethe unter seinem Namen im West-östlichen Divan veröffentlichte, hat Marianne von Willemer (1784 bis 1860) Literaturgeschichte geschrieben. Aus ihrem Besitz stammt das hier in Faksimilequalität reproduzierte Stammbuch, das Unikate aus den Jahren 1810 bis 1855 enthält und das einen zauberhaften Einblick in die Bürgerkultur des 19. Jahrhunderts gewährt.
Unter "Stammbuch" verstand man das, was man heute vielleicht als ein Gästebuch oder ein Poesiealbum bezeichnen würde. Das Exemplar der Marianne von Willemer ist überdies nicht gebunden, sondern hat die Gestalt einer Schatulle in Buchform, in die die 56 Erinnerungsstücke einzeln eingelegt sind. Es enthält Gedichte, Widmungsblätter und Bilder in verschiedenen Techniken - so auch entsprechend den heutigen Postkarten als Reiseandenken verkaufte Gouachen oder die aus einem Ahornblatt herausgeschabte Silhouette Napoleons zu Pferde. Jedes dieser Stücke wird farbig abgebildet, beschrieben und kommentiert; die Texte werden transkribiert. Die Geschichten, die sich an die einzelnen Stücke knüpfen, werden von Kurt Andreae, einem Nachfahren Johann Jakob von Willemers, mit viel Anteilnahme erzählt - so etwa jene zu einem Gedicht Herman Grimms, dem Marianne, das "Großmütterchen", 1850 ihre Autorschaft der Divan-Gedichte unter der Maßgabe anvertraute, daß er ihr Geheimnis bis nach ihrem Tod bewahren würde.
Mit dieser Faksimileedition des Stammbuchs der Marianne von Willemer wird ein kulturhistorisches Dokument ersten Ranges zugänglich gemacht. Vor dem Betrachter und Leser entsteht ein Panorama des gesellschaftlichen Lebens und des Tourismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aber auch das Porträt einer auch über ihre Begegnung mit Goethe hinaus faszinierenden Frau, der Suleika aus Goethes West-östlichem Divan, die bis ins hohe Alter am gesellschaftlichen Leben als Gastgeberin und Künstlerin teilnahm.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2007

Marianne von Willemer, Frankfurterin und Zeitgenössin Goethes pflegte viele Freundschaften. Während der deutsche Dichter sie als Suleika im "West-Östlichen Diwan" verewigte, gestalteten andere, wie die Familie Brentano, ihre Gunstbeweise mit einem Gedicht, Lied, einer Weisheit oder einem Ratschlag, geschmückt mit Illustrationen oder anderem Beiwerk. Gesammelt wurden sie in einem "Stammbuch", dem Vorläufer des Poesiealbums. Rezensentin Beate Tröger begeistert dieses "zauberhafte Zeugnis einer vergangenen Erinnerungskultur", das hier als Loseblattsammlung vorliegt und damit eine formale Besonderheit darstellt. Außergewöhnlich schön und selten sei das letzte Blatt der Kassette, das eine aus Blattadern geformte Silhouette des reitenden Napoleons zeige. Digitalisierte Freundschaftsbeweise werden der Nachwelt "kein vergleichbares Entzücken" bereiten, so das Fazit der Rezensentin.
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