Ludwig Greve war 37 Jahre alt, als er 1961 mit einem schmalen Band "Gedichte" an die Öffentlichkeit trat. Einige davon hatte er zuvor bereits als "Gedichte aus dem Itinerar" in einem Privatdruck eher versteckt als veröffentlicht. Der Titel weist das Thema des Zyklus aus: Selbstvergewisserung anhand der Stationen der eigenen Biographie und die Arbeit an einer Sprache dafür. Die zwanzig dichtgefügten, meist gereimten Gedichte erregten die Aufmerksamkeit Werner Krafts, der erwartete, dass auf "schöne Gedichte" "schönere" folgen würden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.07.2006
Hannelore Schlaffer mag das Klassische an dieser Lyrik. Den ostentativ herbeigeschriebenen Abstand Ludwig Greves zu avantgardistischen Zeitgenossen wie R. D. Brinkmann schätzt sie trotz aller Exklusivität (oder gerade drum). Angemessen findet sie die alle Marbacher Schriften prägende Eleganz und Präzision bei der Ausstattung bzw. der philologischen Erschließung dieser Gedichtauswahl, die nebenbei die Nähe Greves zu Celan verdeutliche. Und die Unterschiede: Schlaffer hält Greve für keinen Metaphysiker, sondern für einen großen Geist mit Bodenhaftung, Sinn fürs Intime und der Fähigkeit zu einem intensiven Beobachten von Alltäglichem. Die aus dieser glücklichen Paarung entstehenden Motive sind Schlaffer neu.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2006
Mit an Ergriffenheit grenzender Begeisterung begrüßt es Rezensent Thomas Poiss, dass die lange vergriffenen Gedichte Ludwig Greves nun in einem Sammelband wieder vorliegen. Das ebenso leise wie intime Werk dieses Dichters sieht der Rezensent nämlich neben dem Werk Paul Celans stehen, Grebes Auseinandersetzung mit der Frage des Dichtens nach Auschwitz hat für Poiss tiefe Gültigkeit. Im Verbund mit der im Band gleichfalls abgedruckten "Freiburger Rede" wird die Edition aus seiner Sicht zu einer "individuellen Schule des Dichtens nach 1945". Auch die Ausstattung des Bandes und die Arbeit der Herausgeber werden gelobt. Das informative Nachwort und die ausführlichen Briefzitate machen den Anhang für Poiss zum zusätzlichen "Lesevergnügen".
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…