Louise Erdrich

Die Antilopenfrau

Roman
Cover: Die Antilopenfrau
Rowohlt Verlag, Reinbek 2000
ISBN 9783498016654
Gebunden, 320 Seiten, 23,01 EUR

Klappentext

Deutsch von Juliane Gräbener-Müller. Wer sich als Mann mit einer Antilopenfrau einlässt, läuft Gefahr, den Verstand und vielleicht sogar das Leben zu verlieren. Zu flüchtig ist ihr Wesen, sagt eine alte Weisheit der Ojibwa-Indianer. Und unerträglich ihre Liebe. So stürzt sich auch Richard Whiteheart ins Unglück, als er die schöne junge Rozin Roy heiratet. Ihre indianische Ahnin soll, als Baby dem Tode bei einem Gemetzel der U.S. Army entronnen, von Antilopen aufgezogen worden sein. Seither liegt ein Fluch auf der Familie ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.11.2001

Der Name Luise Erdrich steht, so Thomas Leuchtenmüller, für Geschichten, die "das bezaubernd Mythische und das deprimierend Wirkliche historischer und heutiger Indianerwelten" nahtlos zusammenfügen. Außerdem habe die Autorin längst versierte indianische Autoren wie N. Scott Momaday, James Welch und Leslie Marmon Silko in den Schatten gestellt. Erdrich habe eine Vorliebe für Geschichten über starke Frauen und Mischlinge. Ihr neues Buch handelt von einem indianischen Findelkind, das aus einer grausam überfallenen Indianerfamilie stammt und schließlich in einer amerikanischen Familie aufwächst; über beiden Familien liegt über Generationen der Fluch von Alkohol, Gewalt und Untreue, erzählt Leuchtenmüller. An Erdrichs Erzählkunst lobt der Kritiker die "ständig wechselnde Perspektive", sie mache die Figuren zu komplexen Charakteren. Zudem wecke die gekonnt eingesetzte achronologische Erzählweise den "detektivischen Spürsinn des Lesers". Eine burleske Kombination von Spaß und Ernst sorgt außerdem dafür, dass der Leser nicht mehr von der Lektüre lassen kann, meint Leuchtenmüller.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2001

Der Vater Deutsche, die Mutter Indianerin - wenn man das Wort 'Indianerin' in Zeiten politisch korrekter Formulierungen überhaupt noch verwenden darf, fragt sich Martin Ebel und verweist darauf, dass der Verlag im Klappentext, der nun das siebte Buch der amerikanischen Autorin auf Deutsch herausbringt, da keinerlei Hemmung kennt. Die Autorin schöpft nach Ebels Kritik aus dem Reservoir indianischer Mythologie und scheut sich nicht, psychologischen Realismus mit raunendem Legendenton zu verbinden. Auch die Bildsprache ist "hochgradig synkretistisch", schreibt Ebel, er sieht in dem Roman ebenso Kitschiges wie - aber leider nur vereinzelt - Wunderschönes auftauchen. Am Ende ist dem Rezensenten dann doch der Geduldsfaden gerissen: die "Roman-als-Teppich-des-Lebens-Metapher" wollte er nicht mehr ertragen.
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