Eine Reihe von Entwicklungen verleiht dem Verdacht einer Straftat - stets schon ein Schlüsselbegriff des Strafverfahrens - gesteigerte Bedeutung: Die vorliegende Studie unterbreitet eine systematisch angelegte Dogmatik des Verdachts, vom Anfangsverdacht bis zu den sogenannten Verdachtsstufen. Zuvor liefert die Untersuchung den Rahmen einer solchen Dogmatik: historisch die Ausbildung einer Dogmatik des Verdachts seit dem Hochmittelalter, in der die Grundlagen des modernen, in individualisierender Zurechnung fußenden Rechts gelegt werden, und begrifflich die wissenschafts- und rechtstheoretischen sowie kriminologischen Voraussetzungen. Die Verdächtigung ist ein schöpferischer Prozeß, der gleichwohl wahrheitsorientiert unter dem Anspruch einer jeweils einzig richtigen Entscheidung steht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2001
Gleich drei Bücher in einem hat der Jurist Lorenz Schulz mit seiner Habilitationsschrift hier verfasst, findet Stephan Rixen, der den Band rezensiert. Zum einen eine "rechtshistorische Untersuchung" zur Geschichte des Verdachts als Rechtsfigur, dann eine "erkenntnistheoretische Studie", die der Logik des Verdachts als Abduktion bei Peirce nachgeht - und dann "eine im engeren Sinne juristische Arbeit". Jede dieser drei Arbeiten findet Rixen überaus anregend: aufschlussreich die Untersuchung der theologischen Residuen im Strafrecht; provokant die theoretische Hereinnahme des Strafrechts in das öffentliche Recht. Erfreulich, im großen und ganzen jedenfalls, findet der Rezensent auch den "unjuristisch-eleganten Stil", nur manchmal scheint er ihm ein wenig "bemüht". Der Hauptkritikpunkt ist die mangelnde Anwendung der Erkenntnisse und Theorien auf Einzelfälle. Diese Kritik fällt aber nicht schwer ins Gewicht, Rixen wünscht dem Buch "große Aufmerksamkeit".
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