Lorenz Schröter

Das Buch der Liebe

Roman
Cover: Das Buch der Liebe
Antje Kunstmann Verlag, München 2007
ISBN 9783888974847
Gebunden, 188 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

"Do you believe in Rock'n Roll?" Dass diese Frage zu der entscheidenden seines Lebens werden würde, hätte sich Kramer noch vor zwei Tagen nicht vorstellen können, als er, zuverlässig wie immer, schon eine halbe Stunde früher am Flughafen stand, um seine Familie in Empfang zu nehmen. Eine halbe Stunde, die sein Leben verändert. Er begegnet Kimmi, einer japanischen Punkmusikerin, geht mit ihr ins Hotel, hat Sex, verliebt sich haltlos und begibt sich mit ihr auf eine seltsame Reise durch Süddeutschland. Die Reise scheint einem geheimnisvollen Plan zu folgen, von Punkschuppen zu Punkschuppen, von fränkischen Brauereien und geheimnisvollen Burgen zu einem Grabstein, an dem die neuen Levis Jeans geweiht werden, zu den Stätten der Vorfahren von Elvis Presley. Da ist es auch nicht weiter überraschend, dass Kimmi und ihre Punk-Freunde nachts von unheimlichen, gewalttätigen Elvis-Doubles verfolgt und zusammengeschlagen werden, obwohl sie "shugotensis" sind, Schutzengel, und wie sich herausstellt an Elvis glauben. Er ist nicht tot, er lebt. Er wird sie alle retten. Kann man das glauben?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2008

Durchaus amüsiert hat sich Beatrix Langner bei der Lektüre von Lorenz Schröters Poproman über einen biederen Familienvater und eine japanische Punkmusikerin, die - von prügelnden Elvis-Imitatoren verfolgt - die Punkschuppen und Brauereien Süddeutschlands unsicher machen. Neben dem Fantasiereichtum des Autors gefällt ihr besonders sein gekonntes, vergnügliches Spiel mit Versatzstücken der Popkultur. Dabei verhehlt sie nicht ihre Freude darüber, dass das Elvis-Jahr 2007 endlich vorbei ist. Insofern scheint ihr Schröters Roman auch  nur "begrenzt haltbar" - "wie alle Popromane; bestenfalls bis zum nächsten Elvis-Jahr".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2008

Über den "Ausbruch eines Doppelhaushälftenbesitzers" hat Eric Pfeil sich von diesem Autor nicht ungern berichten lassen. Zwar findet Pfeil die angewandte "gealterte Punk-Perspektive" in ihrer Naivität nicht unproblematisch. Lorenz Schöters sprachliche Punktlandung, sein Kenntnisreichtum und die dem Rezensenten erstaunlich erscheinende Dichte, mit der Rock'n'Roll hier mythologische Qualitäten zugesprochen bekommt, machen allerdings einiges gut. So auch die "Versimpelung" von Charakteren zu Klischees. Am Ende nimmt der milde gestimmte Rezensent dem Autor den ganzen Romantizismus doch noch ab. Schließlich trägt Schröter den Rock'n'Roll konsequenterweise zu Grabe. Von dort winkt er, "ewig lebend". Damit kann Pfeil leben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.01.2008

Christoph Bartmann ist tief berührt. Die Klappentext-Lobhudelei von Christian Kracht genießt er mit Vorsicht und hält fest, dass Lorenz Schröter viel mehr kann als Popliteratur. Als die Anwärter deutscher Buchpreise sowieso, meint er und hält sich mit den Kriterien für solche Auszeichnungen nicht lange auf. Was Schröter vorlegt, sei ein "tragisch-komischer Männer- und Midlife-Roman". Doch Vorsicht! Bloß nicht selbst in die Genre-Falle tappen, rät Bartmann, betrachtet das Buch jenseits üblicher Zuschreibungen und gewinnt: Komplexität, Intertextualität, klassisches Wissen "in Richtung auf Pop" ("Paulus und Don McLean"). Und spricht Bartmann von einem "betont billigen Road Movie" mit "religiösen Sedimenten", ist das als Empfehlung zu verstehen. Von der eigentlichen "hysterischen Geschichte" verstehen wir erstmal nur wenig. Macht nichts. Müssen wir eben lesen, dies "bodenlos heitere" Buch.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.2007

"Über weite Strecken unterhaltsam" findet Rezensentin Susanne Messmer den neuen Roman von Lorenz Schröter, den sie schon deshalb schätzt, weil er der einzige einschlägige Achtziger-Jahre-Autor war, der es je wagte, Rainald Goetz "nicht toll" zu finden. Allein: der neue Roman macht ihr durch gravierende Schwächen dann doch einige Sorgen. Denn der Protagonist des Romans, ein verheirateter Angestellter eines Elektronikkonzerns, der sich in eine japanische Punkmusikerin verliebt, ist aus ihrer Sicht nämlich nicht nur als Mensch, sondern auch als Romanfigur ziemlich langweilig. Und auch das "Irre" an seiner neuen Liebe, der er im Roman dann von "Gig zu Gig" folgt, erschließt sich ihrer Einschätzung zufolge nur jenen, denen die Alternativkultur vor fünfundzwanzig Jahren ähnlich ernst gewesen sei, wie nun "dieser schrulligen Asiatin". Auch sonst nervt der Autor die Rezensentin zunehmend mit Klischeelastigkeit und Fantasielosigkeit bei seinen Beschreibungen der bürgerlichen Welt seines Protagonisten oder der Geschlechterverhälktnisse, statt die Möglichkeiten seines Stoffes zu erkennen und ihrer Reibungsenergien freizusetzen.
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