Liz Nugent

Seltsame Sally Diamond

Roman
Cover: Seltsame Sally Diamond
Steidl Verlag, Göttingen 2024
ISBN 9783969993224
Gebunden, 336 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Als ihr verwitweter Adoptivvater kurz vor ihrem 43. Geburtstag stirbt, nimmt Sally Diamond ihn beim Wort: Sie versucht, ihn mit dem Müll zu verbrennen. So wie er es ihr gesagt hat. Ein Fehler, denn nun interessieren sich plötzlich alle für die seltsame Frau, die sich gerne taub stellt, wenn sie unter Menschen geht und am liebsten für sich bleibt: Polizei, Nachbarn, Medien - und eine unheimliche Stimme aus einer Vergangenheit, an die sie sich nicht erinnert. Während sie nach und nach von den schrecklichen Geheimnissen ihrer frühen Kindheit erfährt, nähert sich Sally zum ersten Mal vorsichtig der Welt. Sie übt sich in Vertrauen, schließt Freundschaften, trifft große Entscheidungen und lernt, dass Menschen nicht immer meinen, was sie sagen und nicht immer sind, was sie vorgeben zu sein. Doch wer ist der mysteriöse Fremde, der so viel über sie zu wissen scheint und ihr Nachrichten von der anderen Seite des Globus schickt? Und wieso ist der neue Nachbar so besessen von ihr?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.07.2024

Mit "Seltsame Sally Diamond" ist der irischen Schriftstellerin Liz Nugent ein packender Psychothriller gelungen, der das Schicksal schwer traumatisierter Menschen empathisch vor Augen führt, urteilt Rezensent Tobias Gohlis. Die titelgebende Sally Diamond ist, von einem Kidnapper gezeugt und in dunkler Isolation aufgewachsen, nach dem Tod ihres späteren Adoptivvaters mit 42 Jahren zum ersten Mal auf sich gestellt. Äußerst überzeugend, findet Gohlis, stellt Nugents Buch die Frage, ob und wie ein Mensch nach solcher Gewalteinwirkung ein eigenes Leben (wieder)finden und gestalten kann. Dabei werde die Nähe zum Erleben der Hauptfigur dadurch garantiert, dass die "seltsame" Sally die Ich-Erzählerin des Romans ist. Im zweiten Teil des Textes wird Sallys Stimme schließlich durch die ihres unbekannten älteren Bruders, der, vom selben Erzeuger nach Neuseeland entführt, ein ähnlich grausames Kindheitsschicksal hatte, ersetzt - eine "Verdopplung" der entsetzlichen Geschichte, so Gohlis, der diesen Roman nur empfehlen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.06.2024

An den Fall Josef Fritzl fühlt sich Rezensentin Sylvia Staude bei der Lektüre von Liz Nugents Roman erinnert. Die zentrale Figur bei Nugent ist Mary, auch Sally genannt, deren Mutter von einem Fritzl-artigen Mann entführt und in einen Keller gesperrt worden war. Auch Sallys Bruder Peter taucht, als zweiter Erzähler, in dem Buch auf, erfahren wir, er wurde einerseits ebenfalls vom Vater tyrannisiert und wird andererseits später selbst zum Täter. Im Stil eines Krimis ist diese Geschichte, die in den 1960er Jahren einsetzt, erzählt, so Staude, und sie handelt von heftigster Misogynie. Im Zentrum stehen dabei die seelischen, kaum verarbeiteten Wunden zweier Geschwister, resümiert die mitgenommene Rezensentin.
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