Lisa-Viktoria Niederberger

Dunkelheit

Ein Plädoyer
Cover: Dunkelheit
Haymon Verlag, Innsbruck 2025
ISBN 9783709982457
Gebunden, 248 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Mit Dunkelheit verbinden wir Gefahr, Angst und Einsamkeit. Das Bild einer Frau, die mit dem Pfefferspray in der Hand nach Hause eilt. Die Monster unter dem Bett, die sich zeigen, sobald das Licht erlischt. Der Tod, vor dem wir uns fürchten. Gleichzeitig ziehen uns das Finstere und die Nacht an, sie faszinieren uns, waren schon immer Teil der (Pop-)Kultur und Kunst. Das Spiel von Schatten und Licht gehört seit je dazu. Dunkelheit bedeutet Schrecken und Schönheit. Doch nach und nach haben wir die Dunkelheit aus unseren Leben, unseren Städten verdrängt. Lichtverschmutzung, Umweltzerstörung, der Skyglow, der uns den Schlaf raubt: Zu viel künstliches Licht wirkt sich katastrophal auf ganze Ökosysteme, Tiere und Menschen aus. Die Lösung: Es braucht positive Ansätze und eine reelle Gesetzgebung, um unsere Natur zu schützen. Lisa-Viktoria Niederberger fragt sich in ihrem Essayband: Wie kann ein Leben aussehen, in dem wir der Dunkelheit wieder mehr Raum erlauben? Sie beschäftigt sich mit Dunkelheit und Machtverhältnissen, mit verborgenen Klassenunterschieden, Patriarchatskritik, mit dem Himmel und den Sternen als Kulturgut, mit Naturschutz, Arbeitsschutz, feministischen und politischen Fragestellungen. "Dunkelheit" ist eine literarische Spurensuche nach Ambivalenzen und Kontinuitäten rund um das Dunkle. Ein Plädoyer für die Rückkehr zu finsteren Nächten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.03.2025

Rezensentin Diba Shokri hat einiges auszusetzen an Lisa-Viktoria Niederbergers Buch über die Dunkelheit, insgesamt fällt ihr Fazit jedoch nicht negativ aus. Niederberger fasst, lesen wir, ihre These, dass Dunkelheit in der modernen Welt keinen Platz mehr hat, ziemlich weit, so Shokri, nicht nur die Erhellung der Nacht ist damit gemeint, sondern auch die Abwertung von Schlaf und Tod. Letztlich ist Dunkelheit für Niederberger alles, was der Autorin zum Begriff in den Sinn kommt, fasst die Rezensentin zusammen, irritierenderweise kommt aber ausgerechnet die Romantik nicht vor, obwohl Niederberger selbst oft im Geiste der Romantik schreibt, wenn sie nicht gerade Begriffe aus dem Denken Donna Haraways wie den der "Symbiose" aufgreift. Außerdem schreibt Niederberger eng am eigenen Leben entlang und genau das gefällt Shokri oft ziemlich gut, insbesondere wenn das Buch sich in konkreter Manier an Erfahrungen zum Beispiel aus der Jugend der Autorin orientiert und dadurch die Wirklichkeit zu fassen bekommt. Andere Passagen erscheinen Shokri als wenig erhellende, sprachlich schlichte Befindlichkeitsliteratur. Die Bilanz der Rezensentin fällt dennoch freundlich aus, ihr gefällt, wie Niederberger über den Alltag als einen Möglichkeitsraum schreibt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.03.2025

Richtig Licht ins Dunkel bringt Lisa-Viktoria Niederbergers Essay über die Dunkelheit nicht, hält Kritiker Benjamin Knödler fest. Nicht nur metaphorisch sei die Menschheitsgeschichte eine der Erleuchtung, sondern auch real: Von Straßenlaternen über Kunstlicht bis hin zu grellen Smartphones werde Helligkeit zunehmend zum Problem. Knödler macht bei Niederbeger Lichtverschmutzung und desorientierte Tiere als Problem aus, dazu komme ein hoher Energieverbrauch. So weit, so gut, was sich jedoch nicht erschließe, seien die Grauzonen, die Autorin neige zu recht plakativen Befindlichkeitsschilderungen und male sich Utopien aus, die wenig überzeugen. Knödler hätte sich abschließend eine tiefergehende Exploration der politischen Dimension des Themas gewünscht.

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