Aus dem argentinischen Spanisch von Christian Hansen. Shakespeare in Patagonien: Als hätten Bruce Chatwin und Michael Ende sich zusammengetan, um einen Roman zu schreiben. Das Zauberstück eines jungen Schriftstellers aus Argentinien, der die Sprachen des Nordens und Südens auf eigenwillige Art zueinander finden lässt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2004
Kersten Knipp hat sich von diesem "wunderbar poetischen Roman" mitnehmen lassen auf eine Weltreise bis nach Feuerland, wo die letzten Idealisten dieser Welt aufeinandertreffen. Der argentinische Autor Brizuela hat sein Buch all jenen gewidmet, meint Knipp, "die an ihrer Zeit litten"; das sind - im Roman - zum einen jene Schauspieler, die sich ganz und gar dem Geiste und der Tradition Shakespeares verpflichtet fühlen und ihre Kunst als Mission begreifen, und das sind jene englischen Missionare in Patagonien, die ein Abschlachten der indianischen Urbevölkerung verhindern wollen, aber nicht können. Ihren - historisch überlieferten - Bericht hat Brizuela kunstvoll in das übrige Romangeschehen eingearbeitet, berichtet Knipp, allerdings ohne die volle naturalistische Härte. Der Autor begleitet den weltfremden Idealismus der Theaterleute mit Einfühlungsvermögen und auch mit Sympathie, erklärt der Rezensent, allerdings stellt er auch klar, dass sie in dieser fernen exotischen Welt Schiffbruch erleiden müssen. Um so anrührender findet er, dass Brizuela am Ende die Missionare und Theatermenschen aufeinandertreffen und die "Geburtsstunde einer neuen, unerhörten Dichtung" feiern lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2004
Nicht viel anfangen kann Florian Borchmeyer mit dem "Erlösungspathos" im Roman des argentinischen Autors Leopoldo Brizuela, der eine englische Theatertruppe namens "The Great Will" nach Feuerland verschifft, wo sie den Genozid an den Ureinwohnern des Landes miterleben müssen. Als "literarischen Schiffbruch" bezeichnet Borchmeyer denn auch das ganze Buch, das seines Erachtens aus einem heillosen Wirrwarr von Allegorien und Verweisen besteht, die einerseits vom Autor überdeutlich gesetzt würden, dennoch aber im Dunklen blieben und beim Leser bloß "zunehmende Ratlosigkeit" bewirkten, wie Borchmeyer schreibt. In der Mischung von historischen Fakten und Fiktion - es soll rein dokumentarische Passagen im Roman geben, die das Massaker an den letzten Feuerländern schildern - knüpfe Brizuela technisch an die Romane von Walter Scott oder Alexandre Dumas und inhaltlich - aus jüngster Zeit - an Eduardo Belgrano Rawson an, bemerkt der Rezensent und verweist außerdem darauf, dass Shakespeares "Sturm" für lateinamerikanische Intellektuelle eine ganz besondere symbolstiftende Bedeutung hat. Doch dieses Zusatzwissen helfe auch nicht, seufzt er, die hoffnungslos überfrachtete fiktive Ebene des Romans zu enträtseln, die aus der fahrenden Shakespeare-Truppe "gleichsam die Fliegenden Holländer des Welttheaters" mache.
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