Kaufmann, Forschungsreisender, Archäologe: die drei Leben Heinrich Schliemanns. Vom Lagergehilfen zum steinreichen Kaufmann und Abenteurer auf der Suche nach untergegangenen Kulturen: Auch ohne die Entdeckung Trojas wäre das Leben Heinrich Schliemanns jede Biografie wert! Leoni Hellmayr zeichnet die drei Leben des berühmten Archäologen nach. Glänzend schildert sie einen rastlosen, hoch widersprüchlichen Menschen, der zum Wegbereiter der modernen Archäologie wurde. Schwierige Kindheit: warum der Pastorensohn mit zehn Jahren sein Elternhaus verlassen musste. Hinaus in die Welt: Kaufmann in den Niederlanden, den USA und Russland; Forschungsreisender in Asien, Nord- und Südamerika. Begnadetes Sprachgenie: Schliemann beherrschte sechs moderne Fremdsprachen und begann mit 44 Jahren Latein und Altgriechisch an der Sorbonne zu studieren. Auf der Suche nach der Vergangenheit: Schliemann entdeckte nicht nur Troja, sondern auch Tiryns und Mykene. Die Gier nach Anerkennung: Schuf Schliemann seinen Mythos selbst?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2022
Zu Heinrich Schliemanns zweihundertsten Geburtstag lässt sich über den schillernden Geschäftsmann und Archäologen noch immer kein endgültiges Verdikt fällen, und auch zwei neue Bücher helfen Rezensent Tilman Spreckelsen nicht wirklich bei der Klärung aller Fragen. Die Archäologin Leoni Hellmayr hält sich in ihrer Biografie nicht nur erstaunlich eng an die unzähligen Berichte und Briefe, die der für seine Aufschneidereien notorische Schliemann selbst verfasst hat, bemerkt Spreckelsen, sondern malt Episoden seines Leben auch szenisch aus. Vieles sei nicht durch Nachweise gedeckt, betont Spreckelsen, der dem Buch aber immerhin die Konturen eines Lebens entnimmt, das zur Entdeckung von Troja und Mykene führte, auch wenn Schliemann mit seinen stümperhaften Grabungen viel Zerstörung angerichtet habe.
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